Hans Joachim Specht

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Hans J. Specht)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Hans Joachim Specht (* 6. Juni 1936 in Unna; † 20. Mai 2024 in Heidelberg[1]) war ein deutscher experimenteller Teilchen- und Kernphysiker sowie Hochschullehrer an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

Specht besuchte das Gymnasium in Kamen und studierte von 1956 bis zum Diplom 1962 Physik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der TU München und der ETH Zürich. 1964 wurde er an der TU München bei Heinz Maier-Leibnitz summa cum laude promoviert, wofür er am Forschungsreaktor München (FRM) experimentiert hatte. Als Post-Doktorand war er NRC Fellow an den AECL Nuclear Laboratories in Chalk River in Kanada. Ab 1969 war er Assistent an der LMU München, wo er sich 1970 habilitierte und 1971 wissenschaftlicher Rat und Professor wurde, wobei er am FRM und dem gemeinsamen Beschleuniger von LMU und TU München experimentierte.

1973 wurde er ordentlicher Professor an der Universität Heidelberg.

Er forschte am Max-Planck-Institut für Kernphysik, bei der GSI Darmstadt und ab 1983 am CERN. Am CERN war er am Experiment R807/808 des Intersecting Storage Rings (ISR) und Sprecher von NA34-2 (Helios) und NA45/CERES und ab 2003 Mitglied von NA60 am Super Proton Synchrotron (SPS). Von 1992 bis 1999 war er wissenschaftlicher Direktor der GSI in Darmstadt. Dort initiierte er unter anderem die Tumortherapie mit Kohlenstoffionen mit Patientenbestrahlung bei der GSI, in Zusammenarbeit mit der Radiologischen Klinik der Universität Heidelberg und dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.[2] 2004 wurde er emeritiert.

Seine Experimente betrafen unter anderem die Atomphysik (Quasi-Moleküle in Schwerionenstößen niedriger Energie)[3], Kernspaltung (Formisomere und Induzierung durch Schwerionenstösse) und Quark-Gluon-Plasma bei hochenergetischen Schwerionenstößen am CERN.[4][5] Jeweils 1983/84, 1990/91 und 2003/04 war er zu einem Sabbatjahr am CERN. 1996 stand er der Internationalen Konferenz über Quarkmaterie in Heidelberg vor.

Er befasste sich, zusammen mit Hans Günter Dosch und anderen, auch mit der Physik und Neurophysiologie der Frühverarbeitung zentraler musikalischer Größen im Gehirn, wie Tonhöhe und Tonspektrum.[6][7] Er selbst spielte Klavier seit seiner Kindheit.

Er war seit 2000 Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. 1998 war er einer der Loeb Lecturer der Harvard University. 1999 erhielt er die Werner-Heisenberg-Medaille der Alexander von Humboldt-Stiftung.

  • Reaktionen zwischen schweren Atomkernen – gegenwärtige und künftige Entwicklungen. Physikalische Blätter, Band 37, 1981, Nr. 7, S. 199 (Online).
  • Gute Physik mit vorhandenen Geräten machen. Physikalische Blätter, Band 49, 1993, S. 46–48 (Online).
  • Nuclear Fission. Rev. Mod. Phys. 46, 1974, S. 773–787 (Online).
  • Spectroscopic Properties of Fission Isomers., mit V. Metag et al., Phys. Reports 65, 1980, S. 1–41 (Online).
  • NA60: In Hot Pursuit of Thermal Dileptons., mit S. Damjanovic und R. Shahoyan, CERN Courier 11/2009, S. 31–34 (Online).

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Traueranzeige im Darmstädter Echo vom 25. Mai 2024, abgerufen am 25. Mai 2024
  2. Specht u. a.: Präziser Beschuß mit schweren Ionen. Ruperto Carola, 3/95 (Online).
  3. Specht: Ionisation innerer Elektronenschalen bei fast-adiabatischen Stössen schwerer Ionen. Zeitschrift für Physik 185, 1965, S. 301–330 (doi:10.1007/BF01380692).
  4. G. Agakiviev et al. CERES: Enhanced Production of Low-Mass Electron Pairs in 200GeV/u S-Au Collisions at the CERN SPS. Phys. Rev. Letter 75, 1995, S. 1272–1275 ([1]).
  5. R. Arnaldi et al., NA60: First Measurement of the rho Spectral Function in High Energy Nuclear Collisions. Phys. Rev. Letter 96, 2006, 16302 ([2])
  6. P. Scheider et al.: Morphologie of Heschl’s Gyrus reflects enhanced activation in the auditory cortex of musicians. Nature Neuroscience 5, 2002, 688–694 ([3])
  7. P. Scheider et al.: Structural and functional asymmetry of lateral Heschl’s gyrus reflects pitch perception asymmetry. Nature Neuroscience 8, 2005, 1241–1247 ([4])