Centrum für Hochschulentwicklung
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Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) wurde 1994 in Gütersloh von der Bertelsmann-Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz als gemeinnützige GmbH gegründet. Das CHE versteht sich als „Reformwerkstatt“ für das deutsche Hochschulwesen. In Form fallspezifischer Projekte innerhalb von Hochschulen, übergreifenden Studien und Workshops zu aktuellen hochschulpolitischen Themen sowie Publikationen und Rankings zielt es darauf ab, das deutsche Hochschulwesen „zu liberalisieren und modernisieren“.
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[Bearbeiten] Überblick
Das Centrum für Hochschulentwicklung wurde am 1. Mai 1994 in Gütersloh von der Bertelsmann Stiftung (Reinhard Mohn) und der Hochschulrektorenkonferenz (Hans-Uwe Erichsen, HRK) als Gemeinnützige GmbH gegründet. Es arbeitet an Konzepten zur Hochschulreform, als Projektpartner für Hochschulen und Ministerien und als Anbieter von Fortbildungsprogrammen. In der Öffentlichkeit bekannt ist die GmbH vor allem durch das jährlich veröffentlicht Hochschulranking gleicher Studiengänge an verschiedenen Hochschulen. Mit Hilfe internationaler Vergleiche entwickelt das CHE außerdem Modelle zur Weiterentwicklung der deutschen Hochschulen.
Als Leitbild des CHE dient die Idee der „entfesselten Hochschule“, die „autonom, wissenschaftlich, profiliert und wettbewerbsfähig, wirtschaftlich, international und neuen Medien gegenüber aufgeschlossen“ sein soll. Diese Grundlagen finden sich exemplarisch im Buch Die entfesselte Hochschule von Detlef Müller-Böling, der von 1994 bis 2008 Leiter des CHE war.
Nach eigenen Angaben beträgt der Jahresetat etwa 1,6 Mio Euro [1], von denen 75 % von der Bertelsmann Stiftung gestellt werden. CHE beschäftigt 15 Mitarbeiter und wird von einen zehnköpfigen Beirat beraten.
[Bearbeiten] Positionen
Das CHE tritt unter anderem dafür ein, dass die Hochschulen „mehr Freiheiten“ bekommen, um im Rahmen staatlicher Rahmenvorgaben selbstverantwortlich zu agieren, um eigene Strategien entwickeln und verfolgen zu können. Sie sollen zum Beispiel das Recht haben, ihre Studierenden selbst auszusuchen, ihre interne Organisationsform selbst zu bestimmen und über ihre vom Staat zur Verfügung gestellten Budgets weitgehend frei zu verfügen. Das CHE befürwortet eigener Aussage nach auch „sozialverträglich gestaltete“ Studiengebühren, sofern diese direkt der Verbesserung der Lehre zu Gute kommen.[2][3]
[Bearbeiten] Kritik
Kritiker sehen in der Arbeit des CHE den Wunsch nach einer marktwirtschaftlich orientierten Umgestaltung von Hochschulen. Das CHE betreibe Lobbyarbeit in Medien, Politik und Gesellschaft, um die Akzeptanz von Studiengebühren und Eliteuniversitäten zu erhöhen. Dabei wird unter anderem ein Zusammenhang zwischen der Arbeit des CHE und dem steigenden Einfluss der Wirtschaft auf staatliche Bildungseinrichtungen postuliert, der nicht notwendigerweise im Interesse der Allgemeinheit liege.[4][5]
Zudem wird die Nähe des CHE zum Medienkonzern Bertelsmann kritisch gesehen. Da das Centrum wesentlich durch die Bertelsmann Stiftung finanziert wird, die Mehrheitseigentümerin der Bertelsmann AG ist, gehen Kritiker davon aus, dass die Politik des CHE von Vorstellungen des Medienkonzerns geprägt sei.[4][5]
Im Kontext der Debatte um Studiengebühren geriet eine Umfrage des CHE in die Kritik, die das Forsa-Institut im Auftrag der Stiftung durchführte. Die Befragten wurden nacheinander nach drei Studiengebührenmodellen gefragt, die sie jeweils befürworten oder ablehnen konnten. Aus der Bevorzugung eines Gebührenmodells durch die befragten Studierenden wurde in einer Presseerklärung des CHE darauf geschlossen, dass eine generelle Zustimmung von Studenten für die Einführung von Studiengebühren bestünde. Die prinzipielle Zustimmung zu Studiengebühren war hingegen nicht abgefragt worden. Der freie zusammenschluss von studentInnenschaften forderte daraufhin, die Zusammenarbeit der Hochschulen mit dem CHE einzustellen.[6][7][4][5]
Nicht zuletzt ist das Hochschulranking umstritten. Vergleichskriterien wie Veröffentlichungsleistung oder Urteile der Professoren über die Fachbereiche werden als wenig objektiv kritisiert, die Wahrnehmung der Studenten bekomme zu wenig Gewicht, die an Studenten versandten Fragebögen seien stellenweise suggestiv.
Die Schweizer Hochschulrektorenkonferenz unterstützt seit 2007 wegen aus ihrer Sicht gegebenen Mängeln in der Methodik zur Messung der Forschung sowie kulturelle Faktoren nicht mehr das Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), in denen sich die Hochschulen seit 2005 mit den österreichischen und deutschen Hochschulen hatten vergleichen lassen. Schweizer Hochschulen wird weiterhin vom CHE die Möglichkeit gegeben, sich zu beteiligen, einzelne Hochschulen nehmen die Option wahr. Auch die österreichische Vertretung der Hochschulen wird ab 2008 nicht mehr ihre Hochschulen aufrufen, sich am CHE Ranking zu beteiligen - einzelne Universitäten sind in verschiedenen Fächern auf eigenen Wunsch weiterhin dabei. Aus Italien beteiligt sich seit 2008 die Freie Universität Bozen mit einzelnen Fächern am CHE Hochschulranking. [8] Studenten der Berliner Alice-Salomon-Fachhochschule beschlossen im Oktober 2007, das Ranking geschlossen zu boykottieren.[9]
[Bearbeiten] CHE Consult GmbH
Als Ausgründung aus dem Centrum für Hochschulentwicklung entstand 2001 die CHE Consult GmbH, die in dem gleichen Gebäude untergebracht ist. Sie sieht ihre Aufgabe in der Beratung von Hochschulen sowie der Durchführung von Projekten für Ministerien und Stiftungen. Gesellschafter der CHE Consult GmbH sind nach Firmenangaben die Dortmunder GAB Unternehmensberatung GmbH und Klaus Neuvians. Darüber hinaus sind Mitarbeiter der CHE Consult GmbH als stille Gesellschafter beteiligt.[10]
[Bearbeiten] Literatur
- Jens Wernicke, Torsten Bultmann (Hg.): Netzwerk der Macht - Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh, 2. erweiterte Auflage Marburg 2007, ISBN 978-3-939864-02-8.
- Detlef Müller-Böling: Die entfesselte Hochschule. ISBN 3-8920-4477-5.
- Oliver Schöller: Bertelsmann geht voran!. In: UTOPIE kreativ, H. 155, 2003, S. 803–811 (PDF).
- Markus Struben: Bild’ dir deine Meinungsumfrage! Demoskopie als Demagogie. In: BdWi-Studienheft Bildungsfinanzierung. Marburg 2002, S. 25–26.
- Kyrosch Alidusti: Think Tank für Studiengebühren: Wie das Centrum für Hochschulentwicklung Politik an Hochschulen macht.
- Werner Biermann, Arno Klönne: Agenda Bertelsmann. Ein Konzern stiftet Politik. PapyRossa, Köln 2007
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Centrum für Hochschulentwicklung: Über uns. [1]
- ↑ Detlef Müller-Böling: Die entfesselte Hochschule. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung 2000
- ↑ Detlev Müller-Böling (Hg.): Hochschule weiter entfesseln - den Umbruch gestalten. Studienprogramme, Organisationsformen, Hochschultypen. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung 2005
- ↑ a b c Jens Wernicke, Torsten Bultmann (Hg.): Netzwerk der Macht - Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh, 2. erweiterte Auflage Marburg 2007, ISBN 978-3-939864-02-8.
- ↑ a b c Kyrosch Alidusti: Think Tank für Studiengebühren: Wie das Centrum für Hochschulentwicklung Politik an Hochschulen macht.
- ↑ [http://www.fzs.de/themen/studiengebuehren/1037.html Pressemitteilung des fzs vom 18.12.2003.
- ↑ [http://www.fzs.de/themen/studiengebuehren/1039.html Pressemitteilung des fzs vom 14.07.2004.
- ↑ Österreich beteiligt sich nicht mehr an CHE-Ranking Der Standard 21. August 2007.
- ↑ Ranking der Universitäten zunehmend unter Kritik Telepolis vom 23.10.2007.
- ↑ CHE Consult GmbH: Über uns. [2]
[Bearbeiten] Weblinks
- Centrum für Hochschulentwicklung
- CHE-Position zu Studiengebühren
- CHE Consult GmbH
- Profil des CHE im Think Tank Directory Deutschland
- Reportage des Deutschlandfunks zum CHE
- Auflistung kritischer Materialien zum CHE
- Pressemitteilung des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren zu der kritisierten Umfrage bzw. deren Interpretation durch das CHE
- Bewußtseinsdesign im Namen der Exzellenz (Arbeitskreis kritischer Juristinnen und Juristen an der HU Berlin)
Koordinaten: 51° 54′ 30″ n. Br., 8° 25′ 9″ ö. L.

