LED-Leuchtfaden

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Eine 230-Volt-LED-Fadenlampe mit einem E27-Lampensockel. Die acht Leuchtfäden sind als schlanke gelbe Stäbe erkennbar.

LED-Leuchtfäden (englisch LED filaments) sind stabförmige oder gewendelte lichtgebende elektronische Bauelemente, bestehend aus einem transparenten Träger (Substrat), darauf angebrachten Leuchtdioden (LED) und einer Fluoreszenzschicht. Eine LED-Fadenlampe (englisch LED filament light bulb) ist ein LED-Leuchtmittel, bei dem solche LED-Leuchtfäden in einem Glaskolben ähnlich einer Glühlampe untergebracht sind.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

LED-Fäden wurden 2008 von Kunihiko Hakata und Tomomi Matsuoka, damals bei den Unternehmen Ushio Denki und Sanyo tätig, erstmals entwickelt und in Folge patentiert.[1][2] Zu diesem Zeitpunkt waren allerdings in der praktischen Anwendung noch aufwendige Kühlkörper nötig, weshalb die Optik noch nicht der einer klassischen Glühlampe entsprach, ebenso war die Lichtverteilung noch nicht gleichmäßig genug um sich am Massenmarkt durchzusetzen.[3] Das Unternehmen Panasonic patentierte im Jahr 2013 einen Aufbau von LED-Halbleitern auf einem Glasstreifen, waagerecht angebracht, auf gleicher Höhe wie der Glühdraht einer klassischen Glühlampe.[4] Das taiwanesische Unternehmen Nan Ya Photonics Inc. beantragte im selben Jahr ein Patent auf eine kreisförmige Anordnung von SMD-LEDs auf Höhe des Glühdrahtes im Glaskolben einer Lampe, verfolgte das aber nicht weiter.[5] Anfang 2014 präsentierte der sächsische Speziallampenhersteller Vosla GmbH eine LED-Filamentlampe, die optisch der konventionellen Glühlampe sehr nahekam und wegen inzwischen möglicher höherer Effizienz nicht mehr unter den Kühlungsproblemen der Vorgänger litt.[6] In den folgenden Jahren gewannen die LED-Filamentlampen große Marktanteile und wurden deutlich preisgünstiger.[7] Erhältlich sind sowohl einzelne Filamente als auch komplette, gebrauchsfertige Lampen, bei denen ein bzw. mehrere Filamente senkrecht oder schräg eingebaut ist. Schräg eingebaute Filamente entsprechen dem ersten Patent der beiden japanischen Unternehmen Ushio Denki und Sanyo, das 2012 erteilt wurde.[1][2] Seit spätestens 2020 gibt es LED-Fadenlampen mit längeren und gewendelten Filamenten am Markt.

LED-Leuchtfaden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betrieb eines LED-Leuchtfadens mit ca. 5 % des Nennstroms zeigt die einzelnen LED-Chips unter der gelben Fluoreszenzschicht
  • Fluoreszenzschicht
  • Substrat Glas/Saphirglas
  • LED-Chip
  • Anschlussdrähte
  • LED-Leuchtfäden bestehen aus einem schmalen Streifen aus transparentem Substrat wie etwa Saphirglas, auf das blaue und teils zusätzlich rote LEDs mit einer darauf adaptierten Chip-On-Board-Technologie (COB) direkt, d. h. ohne Chipgehäuse, aufgebracht sind. Die einzelnen LED-Chips sind in Reihe geschaltet, an den Enden der Streifen befindet sich jeweils ein elektrischer Kontakt. Um ein breites Lichtspektrum zu erzeugen, sind die Streifen zusätzlich beidseitig mit einer Fluoreszenzschicht überzogen. Deren aktiver Bestandteil ist üblicherweise ein Pulver aus Cer-dotiertem Yttrium-Aluminium-Granat (YAG:Ce3+); von ihm rührt die gelbliche Gesamterscheinung der LED-Leuchtfäden her.

    Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die typischen Abmessungen von im Jahr 2015 erhältlichen LED-Leuchtfäden sind 38,5 mm × 2,0 mm.[8] Sie kommen auch in anderen Längen von 26 bis 67 mm vor.[9][10] Die typische Anzahl an LEDs pro 38-mm-Leuchtfaden beträgt 28.[11] Die Anzahl und Eigenschaften der in Reihe geschalteten LEDs werden in Datenblättern aufgeführt. Die Betriebsspannung eines einzelnen LED-Fadens beträgt exemplarisch etwa 60 bis 80 V,[12] was sich nach der Anzahl und Typ der LEDs richtet. Sie haben einen spezifiziert zu begrenzenden Betriebsstrom von typisch etwa 10 mA.[12] Bei den 2015 erhältlichen Modellen nahm ein Leuchtfaden ungefähr 1 W Leistung auf und gab etwa 100 lm ab; 2018 konnte die Lichtausbeute auf bis zu 160 lm/W gesteigert werden.[10] Die Farbtemperatur der Leuchtfäden wird bei den derzeit erhältlichen Modellen über die Zusammensetzung und Dichte der Fluoreszenzschicht bestimmt, sowie teilweise auch über das Verhältnis der im Leuchtfaden verbauten blauen und roten LEDs. Im Gegensatz zu konventionellen LEDs auf undurchsichtigem Substrat haben LED-Leuchtfäden eine ähnliche Abstrahlcharakteristik wie eine klassische Glühwendel, sie strahlen also beinahe omnidirektional ab, wobei sich an den Seiten des Substrats zwei gegenüberliegende dunklere Zonen bilden.[13]

    Durch die Anordnung der LED-Fäden und den durchsichtigen Glaskolben sehen diese Lampen weitgehend wie klassische Glühlampen aus. Unter der Bezeichnung „Rustika“ wird zudem eine längliche Kolbenform vertrieben, die frühen Glühlampen entspricht. Daher sind diese Lampen gut zur Verwendung in antiken Leuchten, etwa aus der Zeit des Jugendstils, geeignet. Da sie in ihren Abmessungen nahezu identisch mit klassischen Glühlampen sind, lassen sie sich auch in Leuchten mit schmalen Glasschirmen einschrauben.

    LED-Fadenlampe[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Aufbau und Aussehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    LED-Fadenlampe in Form und Aussehen einer historischen Glühlampe

    LED-Fadenlampen bestehen, außer der durch LEDs ersetzten Glühwendel, teilweise aus den gleichen Komponenten wie klassische Glühlampen:

    • der Lampensockel, dessen metallische Teile der Außenhaut die elektrischen Kontakte darstellen
    • der gläserne Lampenfuß mit einer gasdichten Durchführung der Stromzufuhr zur eigentlichen leuchtenden Komponente, in diesem Fall eine Anordnung von LED-Leuchtfäden
    • ein inertes Gas mit hoher Temperaturleitfähigkeit
    • der gläserne Außenkolben

    LED-Fadenlampen haben ein komplett im Lampensockel untergebrachtes Netzteil, das die Wechselspannung des Stromnetzes gleichrichtet und einen begrenzten oder geregelten Strom für den Betrieb der Leuchtdioden bereitstellt. Die hier beschriebene Bauform eines Leuchtmittels wurde 2014 patentiert.[14]

    Produktevolution und Zusammenspiel der Komponenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die erste LED-Fadenlampe wurde 2008 vom japanischen Hersteller Ushio Lighting, Inc. auf den Markt gebracht. Dieses Modell war allerdings nicht sehr erfolgreich, da es noch einige Probleme aufwies.[15] Es basierte noch auf einer einzelnen großen Chipmatrix, die – wie eine Wolframglühwendel – waagerecht über dem Sockel positioniert war. Die einzelnen LED-Chips der Lampen erhitzten sich sehr stark, was einen dedizierten Kühlkörper notwendig machte. Das führte dazu, dass die Lampe nur einen Abstrahlungswinkel von 180° hatte.[16]

    Um einer omnidirektionalen Lichtabstrahlung nahezukommen, muss auf einen Kühlkörper im klassischen Sinne verzichtet werden.

    LED-Lampen mit LED-Leuchtfäden geben daher ihre gesamte Wärme über das umgebende Füllgas (Helium) an den Hüllkolben ab. Ermöglicht wird das durch einen geringen Betriebsstrom und damit geringere Leistung pro Fadenlänge. Wie bei anderen LED-Lampen muss ein Kompromiss zwischen Lebensdauer und Effizienz einerseits (geringer Betriebsstrom) und Leistung andererseits (hoher Betriebsstrom) gefunden werden. Das bedeutet, dass die Gesamtleistung in der Regel geringer ist als bei LED-Lampen mit Kühlkörper.

    Als Vorschaltgerät wird teilweise ein Kondensatornetzteil verwendet. Solche LED-Lampen sind (wenn überhaupt) nur mit Phasenabschnittdimmern dimmbar. Minderwertige Varianten verzichten auf einen ausreichend dimensionierten Elektrolytkondensator zur Spannungsglättung und flimmern daher mit 100 Hz, der doppelten Netzfrequenz. Bessere Lampen enthalten eine aufwendigere Elektronik und sind oft auch dimmbar (siehe auch bei LED-Leuchtmittel).[17]

    Energieeffizienz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Die oben erwähnten typischen Daten (1 W liefert um die 100 lm) ergeben direkt eine Lichtausbeute von 100 lm/W; aktuelle Modelle können Werte um 150 lm/W erreichen.[18][19] Leuchtmittel mit einer derartigen Lichtausbeute sind in eine der zwei höchsten Energieeffizienzklassen A+ und A++ eingeordnet.

    Die Lichtausbeute geht durch hohe Umgebungstemperatur zurück, ebenso die Lebensdauer, die durch einen Lichtstromrückgang (Degradation) auf beispielsweise 50 oder 70 % gekennzeichnet ist.

    Qualitätsmerkmale von LED-Fadenlampen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    • Dimmbarkeit: bei vielen preiswerten Modellen nicht gegeben
    • Flimmern: typisches 100-Hz-Flimmern kann mit Mehraufwand vermieden werden
    • Funkstörungen: treten bei Schaltnetzteilen auf; Einhaltung der EMV-Grenzwerte oft fraglich
    • Leistungsfaktor: cos phi typ. etwas über 0,5 führt zu größerer Effektivstrom-Aufnahme
    • Störgeräusche: können in Schaltnetzteilen entstehen
    • Farbwiedergabeindex: Ra-Werte von über 90 erreichbar[20]
    • Lichtausbeute: gemeinsam mit der Lebensdauer und den Einsatzbedingungen zu bewerten

    Weitere Merkmale sind das Design und die Verarbeitungsqualität. Viele der Merkmale oder deren richtige Angabe auf der Verpackung sind nur im Messlabor ermittelbar oder gar nicht. Hinzu kommt Produktpiraterie. Die meisten Lampen (auch europäischer Anbieter) kommen aus Asien, wo auch die wichtigsten Patentrechte liegen.

    Vergleich mit anderen Leuchtmitteln[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Spektrum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    LED-Fadenlampen enthalten analog zu anderen LED-Leuchtmitteln blaue und zum Teil rote LEDs (letztere für einen höheren Farbwiedergabeindex und eine wärmere Farbtemperatur). Diese sind mit einer Fluoreszenzschicht überdeckt, die den noch fehlenden mittleren Teil des Lichtspektrums auffüllt. Im Gegensatz zur Kompaktleuchtstofflampe ist das Spektrum relativ kontinuierlich und weist keine extrem herausstechenden Spitzen einzelner Farben auf.

    Lichtstrom und Leistung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Durch die inzwischen (Stand Dez. 2015) relativ hohe Effizienz der verwendeten LEDs kann auch mit den relativ geringen Gesamtleistungen von etwa 5 bis 8 W ein Lichtstrom erzeugt werden (1000 lm bei 8 W[21]), der mit kleinen bis mittleren Leistungen von Glühlampen (bis etwa 75 W) bzw. Halogenlampen (heller als 42 W) vergleichbar ist. Höhere Lichtströme bei entsprechend höherer Leistungsaufnahme sind mit Stand Ende 2015 LED-Leuchtmitteln mit dediziertem Kühlkörper vorbehalten; diese strahlen ihr Licht bauartbedingt jedoch – anders als klassische Glüh- oder LED-Lampen – meist nur geringfügig in Sockelrichtung ab, was in einigen Leuchten ein Problem darstellen kann.

    Beispiele für Bauformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    Commons: LED filament lamps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

    1. a b Patent JP2009170759A: Light-Emitting Device and Lighting Apparatus incorporating same. Angemeldet am 18. Januar 2008, veröffentlicht am 14. Oktober 2014, Anmelder: Sanyo Electric Co, Ushio Electric Inc, Erfinder: Kunihiko Hakata, Tomomi Matsuoka.
    2. a b Patent EP2081227B1: Lichtemittierende Vorrichtung und Beleuchtungsvorrichtung damit. Angemeldet am 13. Januar 2009, veröffentlicht am 31. August 2016, Anmelder: Ushio Electric Inc, Erfinder: Kunihiko Hakata, Tomomi Matsuoka.
    3. The Next Generation of LED Filament Bulbs. 5. Februar 2015, abgerufen am 2. Februar 2023 (englisch).
    4. Patent US8858027B2: Light bulb shaped lamp and lighting apparatus. Angemeldet am 29. April 2013, veröffentlicht am 14. Oktober 2014, Anmelder: Panasonic Corp, Erfinder: Nobuyoshi Takeuchi et Al.
    5. Patentanmeldung US2014362586A1: LED light bulb. Angemeldet am 16. September 2013, veröffentlicht am 11. Dezember 2014, Anmelder: Nan Ya Photonics Inc, Erfinder: Bor-Jen Wu.
    6. vosLED - Die LED-Glühlampe mit Glühfaden: ON-LIGHT · Licht im Netz®. Abgerufen am 3. Februar 2023.
    7. The Insight Partners: 24.4% CAGR for Filament LED Bulb Market Revenue to Cross $6.62 Billion, Globally, by 2028 – Comprehensive Report by The Insight Partners. 1. Februar 2023, abgerufen am 3. Februar 2023 (englisch).
    8. Novel LED packaging adds filaments to retro bulbs – Designing with LEDs. In: Designing with LEDs. 25. Juni 2014 (designingwithleds.com [abgerufen am 24. Mai 2018]).
    9. http://www.runlite.cn/en/product-default-358.html
    10. a b http://www.runlite.cn/en/product-detail-129.html
    11. LED Filament Bulbs. Abgerufen am 24. Mai 2018 (englisch).
    12. a b http://www.runlite.cn/userfiles/5cjerp755q19k1413258994.pdf
    13. http://yuanleicom.hkhost1.baten.cc/userfiles/file/20160901/20160901084246_29396.pdf@1@2Vorlage:Toter Link/yuanleicom.hkhost1.baten.cc (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im November 2022. Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
    14. Patentanmeldung US2014362586A1: LED light bulb. Angemeldet am 16. September 2013, veröffentlicht am 11. Dezember 2014, Anmelder: Nan Ya Photonics Inc, Erfinder: Bor-Jen Wu.
    15. Abbildung
    16. The Next Generation of LED Filament Bulbs - LEDinside. Abgerufen am 24. Mai 2018 (englisch).
    17. LED-Lampen mit Besonderheiten: Filament LED (Glühfaden)/dimmbar. In: Preisvergleich. heise online, 27. November 2017, abgerufen am 27. November 2017.
    18. Messprotokoll Osram AB39006. (PDF) Beispielmesswerte einer 6-Watt-Filament-LED-Lampe. fastvoice.net, abgerufen am 29. November 2016.
    19. Wolfgang Messer: LED-Fadenlampen – ein Fest für Anwälte. 16. Februar 2016, abgerufen am 29. November 2016.
    20. Im Test: Dimmbare vosLED-Fadenlampe - Effizienz-Wunder mit Macken – Fastvoice-Blog. In: Fastvoice-Blog. 19. Juli 2014 (fastvoice.net [abgerufen am 24. Mai 2018]).
    21. LEDCAT LED E27 Birnenlampen. Abgerufen am 24. Mai 2018.