Lehrstuhl

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Als Lehrstuhl (auch: Arbeitsgruppe oder kurz: AG) wird die planmäßige Stelle eines Hochschullehrers (Titel: Professor) an einer Universität bezeichnet. Diese Professorenstelle ist mit personellen und finanziellen Mitteln zur Wahrnehmung bestimmter Aufgaben in Forschung und Lehre ausgestattet.

In der Bundesrepublik Deutschland wird ein Lehrstuhlinhaber in der Regel nach der Besoldungsgruppe W 3 beziehungsweise Besoldungsgruppe C 4 bezahlt. Er verfügt im Haushaltsplan über eine oder mehrere Planstellen für wissenschaftliche Mitarbeiter und über einen Finanzetat.

Extraordinarien oder außerordentliche Professoren ohne Lehrstuhl sind meistens den Besoldungsgruppen W 2 beziehungsweise C 3 zugeordnet und verfügen über weniger oder gar keine Mitarbeiterstellen und über geringere Haushaltsmittel. Sie müssen sich aber ebenfalls in einem Berufungsverfahren (s. u.) durchsetzen.

Die Aufforderung an eine Lehrkraft, einen Lehrstuhl oder eine Professur zu übernehmen, wird als Berufung (umangssprachlich Ruf) bezeichnet. Professur und Lehrstuhl sind nicht unbedingt miteinander verbunden.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Überblick

Der Begriff „Lehrstuhl“ ist eine Lehnübersetzung aus dem griechisch-lateinischen cathedra, was mit Stuhl neben dem Lesestuhl umschrieben werden kann und den erhöhten Stuhl des Lehrers an einer Universität bezeichnete.

Der Professor an einer Universität mit einem Lehrstuhl (Lehrstuhlinhaber) wird auch als Ordinarius (professor ordinarius) bezeichnet. [1] Nach einer Hochschulreform wurde der Ordinarius in der Bundesrepublik Deutschland abgeschafft. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezeichnete der Begriff Ordinarius auch einen Klassenlehrer an einer höheren Schule. An einigen Gymnasien in Österreich wird auch heute noch ein Klassenlehrer so bezeichnet.

Der Lehrstuhl bezieht sich auf ein bestimmtes Fachgebiet, also z. B. Lehrstuhl Festkörperphysik, das der Lehrstuhlinhaber gemeinsam mit seinen bzw. seinem Assistenten bearbeitet. Der Lehrstuhl ist in der Regel einem Institut oder Seminar im Sinne einer Bildungseinrichtung angegliedert. Es gibt – gerade in kleineren Fächern – aber auch Institute, die nur aus einem einzigen Lehrstuhl bestehen.

Die Fakultät, die einen vakanten Lehrstuhl oder eine Professur zu besetzen hat, bedient sich in Deutschland üblicherweise eines Berufungsverfahrens, um einen Professor/eine Professorin auszusuchen.

Der Begriff Lehrstuhl wird oft auch als Synonym für die Gesamtheit aller Mitarbeiter des Professors benutzt.

[Bearbeiten] Deutschland

Ende 2006 lehrten und forschten nach vorläufigen Ergebnissen des Statistischen Bundesamtes 37.900 weibliche und männliche Professoren an bundesdeutschen Hochschulen. Während ihre Gesamtzahl seit Mitte der 1990er Jahre nahezu unverändert blieb, ist der Frauenanteil innerhalb der Professoren­schaft seit 1995 stetig gestiegen. Der Anteil der Lehrstuhlinhaberinnen wuchs in diesem Zeitraum von 8% auf 15%. Die Zahl der Professorinnen erreichte 2006 mit rund 5.700 einen neuen Höchststand.[2]

[Bearbeiten] Österreich

In Österreich wurde früher der Begriff Lehrkanzel angewandt, heute weder Lehrkanzel noch Lehrstuhl.

Der Ordinarius war bislang der ordentliche Universitätsprofessor. Seit dem Universitäts-Organisationsgesetz 1993 wird nicht mehr zwischen ordentlichen Universitätsprofessoren und anderen (außerordentlichen) Universitätsprofessoren unterschieden. Die bisherigen ordentlichen Universitätsprofessoren dürfen sich weiterhin so bezeichnen.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Die Lehrstühle an den wissenschaftlichen Hochschulen in der Bundesrepublik [und in Westberlin]. Schwartz & Co, Göttingen 1955 bis 1970 (jährliche Übersicht über Anzahl, Bezeichnung und Besetzung und über die Nachwuchslage in den einzelnen Fachgebieten).
  • Elisabeth Boedeker/Maria Meyer-Plath: 50 Jahre Habilitation von Frauen in Deutschland, Göttingen 1974
  • Christiane Mück, Karen Mühlenbein: Lehrstuhl-Management. Wie Hochschulen ihre Lehrstühle erfolgreich weiterentwickeln und vermarkten können. VDM Verlag, 2005, ISBN 3-86550-023-4

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Friedhelm Golücke: Studentenwörterbuch, Gesellschaft für Deutsche Studentengeschichte 4. Aufl. 1984
  2. Statistisches Bundesamt: Pressemitteilung Nr. 279 vom 11.07.2007
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