Potsdam

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Potsdam
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Potsdam hervorgehoben
Koordinaten: 52° 24′ N, 13° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Höhe: 35 m ü. NN
Fläche: 187,27 km²
Einwohner: 150.833 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 805 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 14401–14482
Vorwahl: 0331
Kfz-Kennzeichen: P
Gemeindeschlüssel: 12 0 54 000
Stadtgliederung: 7 Wohngebiete und
9 neue Ortsteile mit je einem Ortsbeirat
Adresse der Stadtverwaltung: Friedrich-Ebert-Str. 79/81
14469 Potsdam
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Jann Jakobs (SPD)
Luftbild Potsdam, Landeshauptstadt von Brandenburg: im Vordergrund Astrophysikalische Institut Potsdam, mittig der Landtag Brandenburg und der Hauptbahnhof mit Potsdam Center Nord, halblinks das Zentrum der Stadt
Das Schloss Sanssouci ist das Wahrzeichen der Stadt Potsdam.

Potsdam ist die Hauptstadt und die einwohnerreichste Stadt des Landes Brandenburg. Sie grenzt im Nordosten unmittelbar an die deutsche Hauptstadt Berlin und gehört zur europäischen Metropolregion Berlin/Brandenburg.

Potsdam ist vor allem bekannt für sein historisches Vermächtnis als ehemalige Residenzstadt Preußens mit den zahlreichen und einzigartigen Schloss- und Parkanlagen. Die Kulturlandschaften wurden 1990 von der UNESCO als größtes Ensemble der deutschen Welterbestätten in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.[1]

Potsdam entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Wissenschaftszentrum. Heute sind drei öffentliche Hochschulen und mehr als 30 Forschungsinstitute in der Stadt ansässig. Rund 15 Prozent der Einwohner sind Studierende, die Dichte an Wissenschaftlern pro Einwohner ist die höchste in Deutschland.[2]

Das traditionsreiche ehemalige UFA-Filmstudio Babelsberg ist eines der führenden Zentren der Film- und Fernsehproduktion in Europa. Es verfügt über große Kapazitäten an moderner Ausstattung und entwickelt sich zunehmend als Produktionsstätte für internationale Filmprojekte.[3]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

[Bearbeiten] Geografische Lage

Der Templiner See im Süden Potsdams mit Blick nach Nordosten auf das Stadtzentrum.

Potsdam befindet sich südwestlich von Berlin am Mittellauf der Havel, in einer eiszeitlich geprägten Wald- und Seenlandschaft. Diese ist charakterisiert durch den Wechsel von breiten Talniederungen und Moränenhügeln, wie dem südlich gelegenen Saarmunder Endmoränenbogen. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist der Kleine Ravensberg mit 114 m. Die tiefste Stelle ist der mittlere Wasserspiegel der Havelgewässer mit 29 m ü. NN. Das Stadtgebiet besteht heute zu rund 75 % aus Grün-, Wasser- und Landwirtschaftsfläche, 25 % sind bebaut. [4]

Insgesamt befinden sich über 20 Gewässer in Potsdam, siehe auch Liste der Seen in Brandenburg. Im urbanen Zentrum sind dies unter anderem der Heilige See, der Aradosee, der Templiner See, der Tiefe See und der Griebnitzsee. In den ländlich geprägten Außenbereichen befinden sich unter anderem der Sacrower See, der Lehnitzsee und der Weiße See.

Zu den Fließgewässern gehören neben der Havel, die viele der Seen verbindet, der Sacrow-Paretzer-Kanal, der Teltowkanal, die Nuthe und die Wublitz. Die Havel fließt am Strandbad Babelsberg bei 29,4 m ü. NN. Ablagerungen der Nuthe bildeten früher Teile der Freundschaftsinsel.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Nordosten, an Potsdam:

Berlin sowie Stahnsdorf, Nuthetal, Michendorf, Schwielowsee (Geltow, Caputh, Ferch) und Werder (Havel) (alle Landkreis Potsdam-Mittelmark) sowie Ketzin, Wustermark und Dallgow-Döberitz im Landkreis Havelland.

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Man unterscheidet heute die älteren Wohngebiete Potsdam-Innenstadt, Westliche und Nördliche Vorstadt, Potsdam-Nord und -Süd, Babelsberg sowie Drewitz, Stern und Kirchsteigfeld mit weiteren Unterteilungen.[5] Nach 1990 erfolgten weitere Eingemeindungen, vergleiche den entsprechenden Abschnitt über den geschichtlichen Verlauf der Eingemeindungen. Die seitdem eingegliederten Gemeinden Eiche, Fahrland, Golm, Groß-Glienicke, Grube, Marquardt, Neu Fahrland, Satzkorn und Uetz-Paaren wurden 2003 zu Ortsteilen mit eigenen, von der Bevölkerung gewählten Ortsbeiräten und einem Ortsbürgermeister. Die neuen Ortsteile liegen im Wesentlichen im Norden der Stadt.

Wohngebiete im Norden Wohngebiete im Süden Ortsteile

[Bearbeiten] Klima

Klimadiagramm von Potsdam

In Potsdam herrscht ein gemäßigtes Klima, das sowohl von Norden und Westen her vom atlantischen Klima als auch vom kontinentalen Klima aus Osten beeinflusst wird. Wetterextreme wie Stürme, starker Hagel oder überdurchschnittlicher Schneefall sind selten.

Der Temperaturverlauf entspricht ungefähr dem bundesdeutschen Durchschnitt. Die jahreszeitlichen Temperaturschwankungen sind geringer als im üblichen kontinentalen Klima, aber höher als im ausgeglicheneren Meeresklima der Küstenregionen. Die Niederschlagsmenge ist mit einer Jahressumme von 590 mm relativ gering. So liegt diese z.B. in Barcelona ebenfalls bei 590 mm, in München hingegen bei etwa 1.000 mm.

Die Klimaforschung ist seit etwa 1874 auf dem Telegrafenberg in Potsdam ansässig. Das Institut für Klimafolgenforschung prognostiziert im Rahmen der globalen Erwärmung eine Zunahme der durchschnittlichen Temperaturen und eine weitere Abnahme des Niederschlages für die nächsten Jahrzehnte in der Region Brandenburg.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Geschichte der Stadt Potsdam

Hauptartikel: Geschichte Potsdams

Gründung im Mittelalter

Schenkungsurkunde aus dem Jahr 993

Das Stadtgebiet war wahrscheinlich seit der Frühen Bronzezeit besiedelt. Nach den Völkerwanderungen errichtete im 7. Jahrhundert der slawische Stamm der Heveller gegenüber der Einmündung der Nuthe eine Burganlage an der Havel. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte in einer Schenkungsurkunde des Kaisers Otto III. des Heiligen Römischen Reiches an das Stift Quedlinburg als Poztupimi am 3. Juli 993. Die Bedeutung der Region beruhte auf der Beherrschung des Havelübergangs. Der Name leitet sich möglicherweise von den slawischen Wörtern ‚pod‘ (bei) und ‚dubimi‘ (Eiche) ab, welche mit unter den Eichen übersetzt werden können.[6]

Im Jahr 1157 eroberte Albrecht der Bär die Stadt und gründete die Mark Brandenburg. Durch Albrecht kam die Nordmark als Mark Brandenburg auch faktisch zum Heiligen Römischen Reich. Am Havelübergang wurde eine deutsche steinerne Turmburg erbaut. Im Jahr 1317 wurde die Stadt erstmals als Burg und vor allem Stadt urkundlich unter dem Namen Postamp erwähnt. 1345 erhielt Potsdam das Stadtrecht und blieb die nächsten Jahrhunderte ein kleiner städtischer Marktflecken.[7] Von 1416 an bis zum Ende des Ersten Weltkrieges und dem damit verbundenen Untergang der Monarchie in Deutschland verblieb Potsdam im Besitz der Hohenzollern. Der verheerende Dreißigjährige Krieg und zwei Großbrände verwüsteten die Stadt.

Residenzstadt und starker Aufschwung

Das Edikt von Potsdam 1685 ermöglichte ein schnelles Bevölkerungswachstum nach dem 30 Jährigen Krieg.

Mit dem kurmärkischen Landtag 1653, auf dem der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm die Macht des Landadels einschränkte, begann die absolutistische Zeit in Brandenburg. Seine Regierungszeit war eine der einflussreichsten in der Geschichte Potsdams. Er kaufte die einzelnen verpfändeten Stadtgebiete zusammen und entschloss sich, die Stadt zu seiner zweiten Residenz neben Berlin auszubauen. Mit dem Ausbau des Stadtschlosses und der Verschönerung der Umgebung entstand ab 1660 ein Entwicklungsschub.

Erst mit Hilfe des Toleranzediktes von Potsdam im Jahre 1685 konnten aufgrund steigender Immigration die Landstriche neu bevölkert werden. Vor allem die verfolgten, protestantischen Hugenotten aus Frankreich flohen in den Schutz der brandenburgischen Gebiete. Etwa 20.000 Menschen folgten dem Angebot und verhalfen der Wirtschaft mit ihrem Fachwissen zum Aufschwung.

Der aufgeklärte Monarch Friedrich der Große prägte das Schicksal der Residenzstadt Potsdam.

Unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. wurde die Stadt ein wichtiger Garnisonsstandort. Dies führte zu einem starken Anwachsen der Einwohnerzahl und erforderte den Bau neuer Wohnquartiere als erste und zweite Stadterweiterung. Weiterhin ordnete er auch den Bau der Garnisonkirche, St. Nikolaikirche und Heilig-Geist-Kirche an, die fortan das Stadtbild prägten. Im neugeschaffenen Militärwaisenhaus in der Breiten Str. wurden Kinder Militärangehöriger verpflegt, unterrichtet und später ausgebildet.

Sein Sohn Friedrich II. der Große schätzte die Gedanken der Aufklärung und reformierte den preußischen Staat. Er entschied sich endgültig Potsdam zur Residenzstadt, auch vom Stadtbild her, zu machen und veranlasste daraufhin massive Umbauten am Aussehen von Straßen und Plätzen. So wurden unter anderem der Alte Markt komplett neu gestaltet und die Bürgerhäuser erhielten neue Barockfassaden. Friedrich II. ließ auch den Park Sanssouci umgestalten. Ab 1745 entstand hier sein Sommersitz das Schloss Sanssouci. Später folgte dann noch das Neue Palais. Das Stadtschloss und den Lustgarten in der Stadtmitte wurden zu seinem Wintersitz gestaltet, besonders hervorzuheben war hier die Leistung des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff.

Im Oktober 1806 erreichte Napoléon Bonaparte mit seinen Truppen die Stadt Potsdam. Die nachhaltige Wirkung der Besatzungszeit führte zu Reformen im Staatswesen. Napoleon besuchte das Grab Friedrichs des Großen in der Gruft der Garnisonkirche. Nach dem Ende der napoleonischen Besatzung entwickelte Friedrich Wilhelm III. die Stadt ab 1815 zu einem Verwaltungszentrum. Es siedelten sich zahlreiche Regierungsbeamte in Potsdam an. 1838 ging mit der Strecke Potsdam-Berlin die erste Eisenbahnlinie Preußens in Betrieb.

Die zunehmenden Spannungen des Vormärzes entluden sich in der Märzrevolution von 1848. Das Volk kämpfte auf den Barrikaden in Berlin für eine liberale Verfassung. Im März siedelte der König Friedrich Wilhelm IV. in die vermeintlich ruhigere Nachbarstadt Potsdam um. Als sich meuternde Soldaten vor dem Neuen Palais versammelten und versuchten, gefangene Kameraden zu befreien, wurde der Aufstand schnell von preußischen Elitetruppen niedergeschlagen. [8] Nach den Wirren der unvollendeten Revolution war die Restauration der alten Machtverhältnisse das vorherrschende Ziel. Es wurden zahlreiche ambitionierte Bauprojekte vorangetrieben, so auch die Nikolaikirche und die katholische Kirche St. Peter und Paul. Seit 1911 hatte Potsdam einen Luftschiffhafen an der Pirschheide, im selben Jahr wurde das Filmstudio Babelsberg gegründet.

Im Jahr 1914 unterzeichnete der letzte preußische König und deutsche Kaiser Wilhelm II. im Neuen Palais die Kriegserklärung gegen die Entente-Mächte. [9] Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs endete auch die Ära der Monarchie mit der Novemberrevolution und Wilhelm II. floh 1918 ins Exil nach Holland. Die Stadt Potsdam verlor damit ihren Status als Residenzstadt endgültig.

Weimarer Republik und Nationalsozialismus

Der verlorene Krieg verschärfte die Not und das Elend in Deutschland. Das umfangreiche Eigentum der Hohenzollern ging zum größten Teil in Staatseigentum über. Die Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg war gekennzeichnet durch zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den politischen und paramilitärischen Kräften im Staat.

5-Reichsmark-Münze von 1934 mit der Garnisonkirche und dem Datum des Tages von Potsdam

Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus fand am 21. März 1933 der Tag von Potsdam statt. Bei dem inszenierten Staatsakt reichte der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler die Hand. Dies sollte als symbolische Geste für ein Bündnis der alten Ordnung mit dem Nationalsozialismus verstanden werden. Die konstituierende Sitzung des Reichstags fand ohne die Sozialdemokraten und Kommunisten in der Potsdamer Garnisonkirche statt, da der Berliner Reichstag aufgrund des Brandschadens nicht zur Verfügung stand. Das Ereignis wurde landesweit im Rundfunk übertragen.

Das Stadtzentrum Potsdams wurde in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges, am 14. April 1945, durch einen alliierten Bombenangriff beschädigt. Besonders betroffen war das Gebiet zwischen der Havel, dem Alten Markt und dem Bassinplatz. Das Stadtschloss, der Lange Stall und die Garnisonkirche brannten vollkommen nieder. Ähnlich beschädigt wurden auch weite Teile der nordöstlichen Vorstadt in der Nähe der Glienicker Brücke. Weitgehend erhalten blieb jedoch das Gebiet um den Neuen Markt, sowie das Holländische Viertel und die nördlichen Teile der Altstadt. In den Kämpfen der letzten Kriegstage wurden weitere Gebäude beschädigt, so die Heiligen-Geist-Kirche und das Alte Rathaus. Am 27. April 1945 wurde Potsdam schließlich durch die Rote Armee eingenommen und der Zweite Weltkrieg endete für die Stadt.

Geteiltes Deutschland

Im Schloss Cecilienhof, dem Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen, fand vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 die Potsdamer Konferenz der Siegermächte USA, Großbritannien und Sowjetunion statt. Die Konferenz endete mit dem Potsdamer Abkommen, welches die deutsche Besatzung in vier Zonen besiegelte.

Mit der Gründung der DDR wurde Potsdam von 1952 bis 1990 zum Verwaltungssitz des neugegründeten Bezirkes Potsdam. [10] Die sozialistische Regierung hatte ein gespaltenes Verhältnis zum Erbe Preußens. Einerseits erkannte man die kulturellen und künstlerischen Leistungen an, dennoch sah man in zahlreichen Bauten den Ausdruck eines Militarismus. 1951 wurde die Pädagogische Hochschule Karl Liebknecht gegründet, aus der später die Universität Potsdam hervorging. Aufgrund des Wohnungsmangels wurden vor allem im Süden der Stadt neue Stadtviertel, wie der Schlaatz, Waldstadt II und Drewitz errichtet.

Die Glienicker Brücke diente im geteilten Deutschland zum Austausch der Spione.

1949 wurde Ost-Berlin zur Hauptstadt der DDR erklärt. Mit dem Mauerbau verlor Potsdam 1961 seinen direkten Anschluss zum Nachbarn West-Berlin. Damit wurde die Berliner Mauer auch in Potsdam zur Grenze zwischen Ost und West. Bemerkenswert ist die kleine westliche Exklave Berlin-Steinstücken, die isoliert in Babelsberg verblieb. Der Übergang an der Glienicker Brücke wurde während des Kalten Krieges zum Austausch von Spionen genutzt.

Jüngere Vergangenheit

Mit der Wiedergründung des Landes Brandenburg nach der Deutschen Einheit 1990 wurde Potsdam dessen Hauptstadt. Es existieren seither verschiedene Initiativen zur Rekonstruktion einiger zerstörter Gebäude der Innenstadt, so beispielsweise der Garnisonkirche. Bereits 1990 wurden weite Teile der Kulturlandschaft Potsdams zum UNESCO-Welterbe ernannt. Das eintausendjährige Bestehen der Stadt konnte offiziell 1993 gefeiert werden. Der zugeschüttete Stadtkanal wurde teilweise in Anlehnung an seinen alten Verlauf wieder freigelegt. Im Jahr 2001 fand unter dem Motto Gartenkunst zwischen gestern und morgen die Bundesgartenschau statt. 2004 erhielt die Stadt die Goldmedaille beim Bundeswettbewerb Unsere Stadt blüht auf. Potsdam bewarb sich neben 16 weiteren Städten um den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2010, gewählt wurde die Ruhrstadt Essen.

[Bearbeiten] Militärgeschichte

Potsdam hatte stets eine ausgeprägte, aber wechselhafte militärische Vergangenheit. Die militärischen Befehlshaber waren zahlreich: von der preußischen über die kaiserliche Armee, Reichswehr, Wehrmacht, Roter Armee bis zur NVA und letztendlich zur Bundeswehr.

Als Residenz der preußischen Könige wurde die Stadt schnell zur Garnisonsstadt ausgebaut. Militärische Anlagen dominierten lange Zeit das Stadtbild und die Struktur der Bevölkerung, so dass der liberale Freidenker Alexander von Humboldt die Stadt 1854 als „öde Kasernenstadt“ [11] bezeichnete. Bekannt wurden die Langen Kerls, die preußischen Gardesoldaten mit überdurchschnittlicher Körpergröße.

1945 übernahmen die Rote Armee und später die Nationale Volksarmee die Mehrzahl der Kasernen. Bis 1991 war Potsdam zudem Standort der 34. Artilleriedivision der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland. Nach der Wiedervereinigung war eine Armee in der bisherigen Größe nicht mehr erforderlich. Die zahlreichen, zum großen Teil historisch und architektonisch bedeutenden, Kasernen und Miltäranlagen werden seitdem einer neuen Nutzung zugeführt. Beispielsweise entstand der Volkspark Potsdam im Rahmen der Bundesgartenschau 2001 auf einem ehemalig militärisch genutzten Gelände in Potsdam-Bornstedt, die Garde-Ulanen Kaserne 1 am Luisenplatz wurde zum Sitz der Sparkasse, in der Garde-Ulanen Kaserne 3 befindet sich eine Schule und die Rote Kaserne wird zur Wohn- und Gewerbenutzung umgebaut.

Seit Juli 2001 befindet sich das Einsatzführungskommando der Bundeswehr im Wildpark-West nahe Geltow bei Potsdam. Es ist das Führungskommando für alle Auslandseinsätze der Bundeswehr, auch in Kombination mit anderen Nationen. Von hier werden die Einsätze der ISAF, EUFOR, KFOR, OEF Marine, UNIFIL und die deutsche Beteiligung an Missionen der UN auf operativer Ebene geführt. [12]

[Bearbeiten] Eingemeindungen

Historische Stadtansicht von Potsdam aus dem 18. Jahrhundert

Das Stadtgebiet Potsdams war bis Ende des 19. Jahrhunderts noch relativ klein. Zur Stadt Potsdam zählten außer der Innenstadt nur die Teltower, Brandenburger, Berliner, Jäger- und Nauener Vorstadt. Durch das Anwachsen der Bevölkerung und Bebauung musste das Stadtgebiet mehrmals erweitert werden. Dies geschah in mehreren Abschnitten mit der Eingliederung von benachbarten Rittergütern beziehungsweise Teilen davon. Damit wuchs das Stadtgebiet von 893 ha im Jahre 1836 auf 1.350 ha im Jahre 1905. 1928 wurde der Park von Sanssouci mit den Schlössern sowie ein großer Teil der Insel Tornow (heute Herrmannswerder) sowie 6 Gutsbezirke mit Brauhaus- und Telegrafenberg in das Stadtgebiet eingegliedert. Danach betrug die Stadtfläche 3.206 ha. 1935 wurden Bornim, Bornstedt, Eiche und Nedlitz eingemeindet, 1939 folgten die Industriestadt Babelsberg und weitere Dörfer. 1952 wurden die meisten dieser Gemeinden im Rahmen der Gebietsreform der DDR wieder selbständig. Im Oktober 2003 erreichte das Stadtgebiet nach zwei neuen Eingemeindungsprozessen im Rahmen der landesweiten Kreisgebietsreform seine heutige Ausdehnung. Dabei wurde die Fläche Potsdams allein durch die Eingemeindungen von 2003 um 60 % vergrößert, die Einwohnerzahl jedoch nur um 12 %[13].

Es wurden im Einzelnen eingemeindet:

Datum Eingemeindung
1. April 1926 Gutsbezirke Plantagenhaus, Potsdam-Gut und Tornow aus dem Kreis Zauch-Belzig
1. August 1935 Bornim, Bornstedt, Eiche ¹ und Nedlitz
1. April 1939 Babelsberg, Drewitz, Bergholz-Rehbrücke (gehört heute zu Nuthetal) ¹, Geltow (gehört heute zu Schwielowsee) ¹, Wildpark-West (gehört heute zu Schwielowsee) ¹, Golm ¹, Grube ¹, Schlänitzsee ¹, Nattwerder ¹, Fahrland ¹, Neu Fahrland ¹, Krampnitz ¹ und Sacrow
11. Juni 1950 Wilhelmshorst (gehört heute zu Michendorf) ¹
5. Dezember 1993 Eiche und Grube (mit Nattwerder und Schlänitzsee)
26. Oktober 2003 Fahrland (mit Kartzow und Krampnitz), Golm, Groß Glienicke, Marquardt, Neu Fahrland, Satzkorn und Uetz-Paaren

¹ diese Orte wurden 1952 im Rahmen der Gebietsreform in der DDR noch einmal ausgegliedert, 1993 bzw. 2003 jedoch zum Großteil wieder eingemeindet.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung und Demografie

Siehe auch: Einwohnerentwicklung von Potsdam
Bevölkerungsentwicklung 1820–2008.

Die Stadt Potsdam blieb seit der Ersterwähnung 993 bis in die frühe Neuzeit eine kleine Stadt mit geringer und relativ konstanter Einwohnerzahl. Aufgrund der Verwüstungen und der Hungersnöte des Dreißigjährigen Krieges fiel die Einwohnerzahl auf einen Tiefpunkt von 700 im Jahr 1660. Nach der Entwicklung als brandenburgische Residenzstadt stieg die Einwohnerzahl deutlich an. Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert verdreifachte sich die Bevölkerung bis 1900 auf 60.000. Am 1. April 1939 wurde Potsdam durch die Eingemeindung der ca. 30.000 Einwohner zählenden Stadt Babelsberg und anderer Orte zur Großstadt. Während des Zweiten Weltkrieges sank die Einwohnerzahl, in den folgenden Jahren stieg sie jedoch wieder an. Seit der Wiedervereinigung fiel die Bevölkerungszahl zunächst bis 1999 um 13.000 Personen auf 129.000. Seit 2000 wächst die Zahl der Einwohner der Stadt wieder beständig durch Zuzug und auf Grund zahlreicher Eingemeindungen, seit 2003 zählt die Stadt durchschnittlich 1500 neue Einwohner pro Jahr.[14] Mit einer relativ hohen Geburtenrate und einer niedrigen Sterberate hatte Potsdam im Jahr 2004 das höchste natürliche Bevölkerungswachstum aller Landeshauptstädte. Am 13. Februar 2008 begrüßte der Potsdamer Oberbürgermeister die 150.000. Einwohnerin. Die Stadtverwaltung Potsdam prognostiziert 164.500 Einwohner für das Jahr 2020.[15]

Heute sind neben den Einwohnern mit Hauptwohnsitz zusätzlich rund 7.000 Menschen mit Nebenwohnsitz gemeldet.[14] Die Stadt zählt hinsichtlich des Durchschnittsalters der Bewohner zu den jüngsten Landeshauptstädten. Mit durchschnittlich 41,2 Jahren ist Potsdam nach Mainz mit 41,0 Jahren und Kiel mit 41,1 Jahren die drittjüngste Landeshauptstadt. Der Anteil der ausländischen Bevölkerung in Potsdam stagniert seit Jahren um 4,5 Prozent. Derzeit leben in der Stadt rund 6.000 ausländische Bürger, insbesondere aus den osteuropäischen Staaten.[16]

[Bearbeiten] Religionen

[Bearbeiten] Christentum

Die evangelische Nikolaikirche am Alten Markt.

Die Geschichte des Christentums in der Stadt Potsdam ist geprägt von einem Nebeneinander der Glaubensgemeinschaften. Die Stadt Potsdam gehörte anfangs zur christlichen Propstei Spandau des 949 gegründeten Bistums Brandenburg. Im Jahr 1541 führte der Kurfürst von Brandenburg die Reformation ein, die Stadt war damit über Jahrhunderte eine überwiegend protestantisch geprägte Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis, jedoch gab es auch reformierte Gemeindeglieder. Ab 1723 gab es eine Französisch-Reformierte Gemeinde, welche 1753 die Französische Kirche erhielt.

Die Französische Kirche ist ein Zeichen der religiösen Toleranz in Preußen.

1817 wurden die beiden evangelischen Konfessionen innerhalb Preußens zur Unierten Kirche vereinigt. Das Oberhaupt war der König von Preußen als Landesherrliches Kirchenregiment. 1918 entstand die Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, welche 1947 zur Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg wurde. 2004 fusionierte die Kirche mit der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz zur Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die protestantischen Kirchengemeinden Potsdams gehören heute zum Kirchenkreis Potsdam, dessen Sitz (Superintendentur) sich ebenfalls in Potsdam befindet. Als Reaktion auf die Vereinigung zur Unierten Kirche entstand die altlutherische Evangelisch-Lutherische Kirche Preußens, welche sich erst 1841 nach langer Verfolgungszeit konstituieren konnte. Diese Kirchengemeinde gehört heute zum Kirchenbezirk Berlin-Brandenburg der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche.

Da Potsdam Garnisonsstadt war, gab es zahlreiche katholische Soldaten. 1868 entstand die katholische Kirche St. Peter und Paul. 1821 wurde die Fürstbischöfliche Delegatur Berlin-Brandenburg-Pommern errichtet. 1930 wurde das Bistum Berlin als Suffraganbistum von Breslau errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet der Kirchenprovinz Breslau getrennt und damit exemt, es unterstand direkt dem Papst. Im Zuge der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde 1994 das Bistum Berlin zum Erzbistum Berlin erhoben, zu dem heute die Pfarrgemeinden Potsdams gehören. Neben den landeskirchlichen Gemeinden gibt es mehrere Freikirchen, wie die Herrnhuter Brüdergemeine.

Aktuell leben in Potsdam mehr als 30.000 Christen verschiedener Konfessionen, dies entspricht 20% der Bevölkerung. Davon gehören etwa 25.000 den 22 evangelischen und ca. 5.000 den beiden katholischen Gemeinden der Stadt an. Die verschiedenen freien Kirchengemeinschaften zählen zusammen ebenfalls mehrere Tausend Gläubige. [17]

[Bearbeiten] Judentum

In Potsdam gibt es zwei jüdische Gemeinden. Eine gehört dem Zentralrat der Juden in Deutschland an, sie wird von einem Rabbiner der Bewegung Chabad Lubawitsch betreut und hat heute etwa 350 Mitglieder. Die zweite Gemeinde ist vom Zentralrat unabhängig und nennt sich Gemeinde gesetzestreuer Juden. Zudem ist Potsdam Sitz des liberalen Abraham-Geiger-Kollegs, des bislang einzigen Rabbinerseminars in Deutschland. Die Alte Synagoge in Potsdam wurde während der Pogrome der Reichspogromnacht 1938 geplündert. Endgültig zerstört wurde das Gebäude aufgrund der Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg. Seitdem gibt es keine Synagoge mehr in Potsdam, ein Neubau wird diskutiert (Stand 2007). [18] Im Rahmen der Neugestaltung der Potsdamer Mitte gilt als voraussichtlicher Errichtungsstandort die Schlossstraße 1, an deren Stelle sich zurzeit noch ein Bürohaus befindet.

[Bearbeiten] Weitere

Die 1841 errichtete Moschee von Potsdam ist in Wirklichkeit ein profanes Dampfmaschinenhaus.

Fast 80 Prozent der Bevölkerung gehören heute zumindest offiziell keiner Religion an. Der Anteil der Konfessionslosen erhöhte sich während der Zeit der DDR erheblich, siehe auch Christen und Kirche in der DDR.

Wie in den meisten Städten der neuen Bundesländer sind weitere Religionen kaum vertreten. Es gibt keine aktuellen, zuverlässigen Schätzungen über die Anzahl der Muslime oder Buddhisten in Potsdam. Eine größere muslimische Gemeinde oder eine bekannte Moschee in der Stadt gibt es nicht. Historisch war Preußen sehr tolerant in religiösen Angelegenheiten. Der preußische König Friedrich II. der Große erklärte 1740: „Alle Religionen seindt gleich und guht, wan nuhr die Leute, so sie profesieren [öffentlich bekennen], erliche Leute seindt, und wen Türken und Heiden kähmen und wolten das Land pöbplieren [bevölkern], so wollen wier sie Mosqueen und Kirchen bauen.“ [19] Bereits im Jahr 1732 ließ der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig seiner türkischen Gardesoldaten und damit die erste Moschee auf deutschem Boden errichten. Der Lange Stall wurde allerdings während des Zweiten Weltkrieges 1945 zerstört, heute steht nur noch die aufwendige Frontfassade wie ein Potemkinsches Dorf.

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Verwaltung

Das Alte Rathaus im Zentrum der Stadt mit vergoldeter Atlasstatue

An der Spitze der Stadt stand seit 1345 ein Consul beziehungsweise ab 1450 ein Bürgermeister. Ein Stadtrat ist ab 1465 nachweisbar. Im 16. Jahrhundert und im 17. Jahrhundert hatte der Rat vier bis fünf Mitglieder, darunter auch den Bürgermeister. Später hatte der jeweilige Landesherr einen starken Einfluss auf die Stadtverwaltung. Ab 1722 gab es für die Altstadt und die Neustadt einen Magistrat, an der Spitze stand ein Stadtdirektor. 1809 wurde Potsdam eine kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze sowie mit einer Stadtverordnetenversammlung als gewähltem Gremium. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Stadtverordnetenversammlung aufgelöst und der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bildete die sowjetische Besatzungszone den Rat der Stadt mit einem Oberbürgermeister. Der Rat wurde vom Volk in einer Einheitsliste der Nationalen Front gewählt.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wird die Stadtverordnetenversammlung wieder frei gewählt. Sie ist das Hauptorgan der Stadtverwaltung und die Vertretung der Bürgerinnen und Bürger. Die Stadtverordnetenversammlung wurde zuletzt im September 2008 gewählt. Die Bezeichnung des Vorsitzenden war von 1990 bis 1999 Stadtpräsident und seither Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Der Vorsitzende wird ebenfalls direkt von den Bürgern gewählt.

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Potsdam hat seit der Kommunalwahl 2008 insgesamt 56 Mitglieder, die sich auf die einzelnen Parteien/Wählergemeinschaften wie folgt verteilen: [20]

Die Linke SPD CDU B90/Die Grünen Die Andere FDP FAMILIE BürgerBündnis e.V. Aktionsbündnis N/W DVU Gesamt
17 15 7 5 3 3 2 2 1 1 56
Das Stadthaus, Sitz der Potsdamer Stadtverwaltung

Bei den letzten direkten Oberbürgermeister-Wahlen im September 2002 konnte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erringen. Daher musste durch eine Stichwahl im Oktober 2002 zwischen Jann Jakobs (SPD) und Hans-Jürgen Scharfenberg (PDS) das neue Stadtoberhaupt ermittelt werden. Dabei konnte sich Jakobs mit einer denkbar knappen Mehrheit von 50,1 Prozent durchsetzen. Er übernahm das Amt von Matthias Platzeck der Ministerpräsident des Landes Brandenburg wurde. Die Tagespolitik wird in wechselnden Mehrheiten organisiert. Aufgrund der starken Zergliederung der Stadtverordnetenversammlung ist die Mehrheitsbeschaffung je nach Thema schwierig, so hätten selbst SPD, CDU und BürgerBündnis zusammen keine Mehrheit. Deshalb kommt es immer wieder auf die Kleinen, wie z.B. die Familien-Partei, an.

Der Landtag Brandenburg hat ebenfalls seinen Sitz in Potsdam in dem Gebäude der ehemaligen königlichen Kriegsschule auf dem Brauhausberg. Das Erscheinungsbild und die vormalige Nutzung des Gebäudes als Sitz der SED-Bezirksleitung brachten ihm den Beinamen Kreml ein. Im Land Brandenburg regiert derzeit eine Große Koalition aus SPD und CDU unter Führung des Ministerpräsidenten Matthias Platzeck, sein Stellvertreter ist seit Februar 2007 der Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU).

Oberbürgermeister
1809–1945
Oberbürgermeister
1945-heute
Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung
1809–1821 Jakob Brunner 1945: Dr. Friedrich Bestehorn 1990–1993: Dr. Helmut Przybilski (SPD)
1821–1844: Wilhelm St. Paul 1945: Heinz Zahn seit 1994: Birgit Müller (Die Linke)
1844–1848: Wilhelm Krüger 1945–1950: Walter Paul [21]
1848–1851: B. Gobbin 1951–1957: Kurt Promitz
1851–1878: Alexander Beyer 1957–1961: Wilhelm Rescher
1878–1897: Reinhold Boie 1961–1984: Brunhilde Hanke (SED)
1897–1905: Richard Jaehne 1984–1989: Wilfried Seidel
1906–1923: Kurt Vosberg 1989–1990: Manfred Bille
1924–1934: Dr. Arno Rauscher 1990–1998: Dr. Horst Gramlich (SPD)
1934–1945: Hans Friedrichs (NSDAP) 1998–2002: Matthias Platzeck (SPD)
seit 2002: Jann Jakobs (SPD)

[Bearbeiten] Wappen

Wappen von Potsdam

Das Wappen der Stadt Potsdam zeigt eine stilisierte Variante des Märkischen Adlers auf einem goldenen Schild. Der Märkische Adler und das Wappen stammen aus dem 12. Jahrhundert. Der Adler trat erstmals im Standbildsiegel des Askaniers Ottos I. von 1170 auf, dem Sohn Albrechts des Bären. Der Adler zeigt sich freischwebend von vorn mit ausgebreiteten Schwingen und nach links blickend. Er ist in der Farbe Rot gehalten, schwarz bewehrt und rot gezungt. Der Wappenschild wird gekrönt von einer gewölbten, fünfzinnigen, roten Mauerkrone. Die Flagge der Stadt Potsdam ist Rot-Gelb mit dem Wappen in der Mitte.

Die heutige Wappendarstellung geht auf einen Entwurf des Direktors der Fachhochschule für Werbung und Gestaltung Berlin mit Außenstelle in Potsdam, Werner Nerlich, von 1957 zurück. Die älteste erhaltene Abbildung des Adlers als Potsdamer Wappentier stammt von 1450 auf einem Siegel der Stadt. Seit 1660 darf Potsdam als Residenzstadt den roten märkischen Adler, vorher auf silbernem Grund dargestellt, auf goldenem Grund zeigen. Ab 1753 ist die heutige Farbgebung bekannt. Das Symbol des Märkischen Adlers ist weit verbreitet. Er ist Bestandteil vieler Gemeinde- und Städtewappen auf dem Gebiet der ehemaligen Mark Brandenburg. Ein Beispiel für eine Verdrängung durch ein anderes Wappentier zeigen die Siegel- und Wappenbilder Berlins von 1280 bis 1935.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Potsdam ist aus seiner Vergangenheit heraus eine international geprägte Stadt, dies zeigt sich auch in der Vielfalt der Städtepartnerschaften. Es lassen sich stets Gemeinsamkeiten in der Historie, Architektur oder Bedeutung zu den Partnerstädten entdecken. Bemerkenswert ist die Partnerschaft zur damaligen bundesdeutschen Hauptstadt Bonn noch während der Zeit der deutschen Teilung 1988. Potsdam unterhält insgesamt sieben Partnerschaften mit den folgenden Städten:

Polen Opole Polen 1973
Frankreich Bobigny Frankreich 1974
Finnland Jyväskylä Finnland 1985
Deutschland Bonn Nordrhein-Westfalen 1988
Italien Perugia Italien 1990
Vereinigte Staaten von Amerika Sioux Falls South Dakota, USA 1990
Schweiz Luzern Schweiz 2002

[Bearbeiten] Kommunale Themen

Blick auf das zukünftige Gelände des neuen Brandenburger Landtages

Die Gestaltung des Stadtbildes, insbesondere der Wiederaufbau der historischen Mitte wird seit 1990 kontrovers diskutiert. Die größeren Bauprojekte der 1990er Jahre, wie der neue Hauptbahnhof, die Wilhelmgalerie oder die Bebauung des Glienicker Horns sind aufgrund ihrer Größe, Architektur und Lage umstritten. Besondere Aufmerksamkeit erlebte ab 2005 der Landtagsneubau. Nachdem ein Bürgerentscheid eine relative Mehrheit für den Standort des Stadtschlosses am Alten Markt ergab, soll nun eine weitestmögliche Annäherung an das Stadtschloss erfolgen. Kontrovers diskutiert wird ebenfalls der Wiederaufbau der Garnisonkirche, nachdem ursprünglich ein originaler Nachbau angestrebt wurde, soll nun ein Versöhnungszentrum mit weitgehend originaler Außengestaltung entstehen.

Ab 2010 könnte das gesamte Potsdamer Stadtgebiet zu einer Umweltzone erklärt werden, welches Fahrverbote für ältere Kraftfahrzeuge bedeuten würde. Die Notwendigkeit ist politisch umstritten, da die Feinstaubüberschreitungen gemäß der EU Richtlinie lokal sehr unterschiedlich ausgeprägt sind und zum Teil nur geringfügig oberhalb des Grenzwertes liegen. Eine Alternative ist der Versuch der Einrichtung einer grünen Welle, um den Verkehrsfluss in den betroffenen Straßen zu verbessern.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Wirtschaftliche Entwicklung

Die Wirtschaft der Stadt Potsdam konnte sich seit der Wiedervereinigung vergleichsweise positiv entwickeln. Die Arbeitslosenquote ist niedriger als im Durchschnitt der neuen Bundesländer bei rund 10%. Die durchschnittlichen, verfügbaren Einkommen in Potsdam sind die höchsten unter den Großstädten der neuen Bundesländer, dicht danach folgen Jena und Dresden [22] (Stand 2005). Die Gewerbesteuereinnahmen betrugen im Jahr 2005 mehr als 44 Millionen Euro und liegen damit auf einem vergleichbaren Niveau mit der Stadt Heidelberg. [23] Der kommunale Schuldenstand ist mit nur 260 € pro Einwohner (allerdings ohne Eigenbetriebe) einer der geringsten in ganz Deutschland.[24]

Wissenschaftspark Potsdam-Golm (AEI)

Diese günstige Entwicklung kann auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden. Vor allem war die Wirtschaft der DDR in Potsdam eher an Verwaltung, Dienstleistung und Entwicklung orientiert und weniger an Produktion. Damit wurde der abrupte Strukturwandel / Strukturbruch nach der Wiedervereinigung wesentlich erleichtert im Vergleich zu anderen Städten mit hohen Industrieanteilen. Der historische Standort als Forschungszentrum erleichtert zusätzlich die Anpassung an die Erfordernisse einer modernen Marktwirtschaft mit höheren Ausbildungsniveaus. Zudem ist die geografische Lage im „Speckgürtel“ von Berlin attraktiv, der Anschluss an Infrastruktur wie Autobahn und Flughafen ist vergleichsweise gut ausgebaut.

In der Stadt sind ca. 6.000 Unternehmen ansässig [25], darunter vor allem kleinere und mittelständische. Zudem haben sich forschungsnahe Unternehmen aufgrund der Vielzahl der Forschungsinstitute angesiedelt. Die Region Potsdam und Umgebung ist laut der Untersuchungen der Boston Consulting Group, A. T. Kearney und BioCom der führende Biotech-Standort in Deutschland. Die Region kann auf eine dynamische Entwicklung verweisen und zählt mit insgesamt 160 Unternehmen und 3.200 direkt Beschäftigten zu den bedeutendsten Biotechnologiestandorten in Europa. Insgesamt beschäftigt die Biotechnologiebranche mit ihren verbundenen Organisationen rund 12.000 Menschen in der Region. [26]

Zu den größeren privaten Einzelinvestoren der letzten Jahre zählt unter anderem die Firma Oracle, die 2001 ihre Deutschlandzentrale nach Potsdam verlegte. Direkt daneben entstand eine von weltweit drei VW-Designzentralen. Das Konsortium Toll Collect verlegte seinen Hauptsitz nach Berlin und Potsdam. Die Firma Katjes errichtete 2006 am Produktionsstandort Babelsberg die erste „gläserne Bonbonfabrik“ Europas. [27] Größter privater Investor ist Hasso Plattner, der mit über 200 Mio. Euro ein High-Tech-Zentrum in Form des HPI finanzierte. [28]

[Bearbeiten] Verkehr

Der neue Potsdamer Hauptbahnhof mit Einkaufspassagen.

Potsdam ist durch die Nähe zu Berlin gut an das Netz der Bundesautobahnen angeschlossen. Die Stadt wird im Westen und Süden vom sogenannten Berliner Ring der A 10 und im Osten von der Autobahn A 115 umgeben, die im Berliner Stadtgebiet auch als AVUS bezeichnet wird. Das Autobahndreieck südlich von Potsdam ist nach der Stadt benannt. Mehrere Bundesstraßen verlaufen durch das Stadtgebiet, zu ihnen zählen die B 1, B 2 und B 273. Die Stadt liegt an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.

Die Landstraße L 40 erschließt das südliche Berliner Umland über Stahnsdorf, Teltow, Mahlow, Schönefeld nach Berlin (Treptow-Köpenick) und wird im Potsdamer Stadtgebiet als Nuthe-Schnellstraße (Kraftfahrstraße) bezeichnet. Diese Straße verbindet Potsdam mit den Bundesstraßen B 101, B 96 und B 179.

Potsdam wird tangiert von der Unteren Havel-Wasserstraße. Sie ist die wichtigste Ost- West Verbindung auf der Wasserstraße zwischen der Oder Berlin und der Elbe. Der Hafen an der Langen Brücke in Potsdam wird von den Schiffen des Unternehmens Schiffahrt in Potsdam, der Haveldampfschiffahrt und Gastliegern von Unternehmen aus Deutschland und anderen europäischen Ländern genutzt. In der Alten Fahrt der Havel an der Freundschaftsinsel gibt es Anleger für den privaten Wassersport.

Berlin-Potsdam-Magdeburg
Griebnitzsee
Potsdam-Babelsberg
Nuthe
Potsdam Hauptbahnhof
Havel
Neustätter Havelbucht
Potsdam Charlottenhof
Potsdam Park Sanssouci
Havel
Werder (Havel)
Groß Kreutz
Götz
Brandenburg Hauptbahnhof
Magdeburg Hauptbahnhof

Von der Stadt aus führen Bahnlinien in die Richtungen Berlin, Flughafen Berlin-Schönefeld, Jüterbog, Dessau, Brandenburg an der Havel, Hennigsdorf und Senftenberg. Die Berlin-Potsdamer Eisenbahn (Abbildung) war die erste Eisenbahnstrecke Preußens und wird deshalb auch Stammbahn genannt. Sie schuf eine Verbindung zwischen den Städten Berlin, Zehlendorf und Potsdam. 1845 wurde die Strecke als Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn bis nach Magdeburg fortgeführt. Eisenbahnbetrieblich ist Potsdam jedoch kein eigenständiger Knotenpunkt, stattdessen gehören seine Bahnanlagen zum Eisenbahnkomplex Berlin, dem Berliner Außenring. Zu diesen Bahnhöfen gehören der Bahnhof Potsdam Pirschheide, Bahnhof Golm und Bahnhof Marquardt, sowie der südlich von Potsdam gelegene Rangierbahnhof Seddin.