Ptolemäischer Krieg

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Als Ptolemäischer Krieg werden die von 32 bis 30 v. Chr. dauernden letzten kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Triumvirn Octavian und Marcus Antonius um die Alleinherrschaft im Römischen Reich bezeichnet. Dabei wurde Antonius von seiner Geliebten, der ägyptischen Königin Kleopatra VII., unterstützt. Octavian siegte am 2. September 31 v. Chr. in der Schlacht bei Actium (Griechenland), konnte aber erst ein Jahr später nach seiner erfolgreichen Offensive gegen Ägypten selbst seine Gegner endgültig niederwerfen. Mit dem Selbstmord von Antonius und Kleopatra im August 30 v. Chr. endete die Souveränität Ägyptens, das zur römischen Provinz gemacht wurde. Octavian wurde nun als Augustus der erste Kaiser Roms.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Propagandaschlacht und Vorbereitung zum finalen Krieg

Ab 33 v. Chr. zeichnete sich die unvermeidliche Auseinandersetzung zwischen Octavian und Antonius um die alleinige Beherrschung des Römischen Reichs ab. Sie begann mit einer Propagandaschlacht mit gegenseitigen Vorwürfen zur Gewinnung der öffentlichen Meinung. Zuerst warf Octavian beim Konsulatsantritt am 1. Januar 33 v. Chr. seinem Konkurrenten „Verschleuderung“ römischer Provinzen vor, die er an die ägyptische Königin abgetreten habe. Antonius antwortete brieflich, dass der Caesarerbe nach der Entmachtung von Lepidus und Sextus Pompeius deren Länder Africa und Sizilien für sich behalten, keine Legionen als Gegenleistung für die Flottenhilfe gegen Sextus Pompeius geschickt und kein Land für Antonius’ Soldaten in Italien zur Verfügung gestellt habe. Octavian brandmarkte nun u. a. die Verschenkung römischen Territoriums an die Ptolemäer, die Hinrichtung von Sextus Pompeius, die Bestätigung, dass Caesarion der Sohn des Diktators Gaius Iulius Caesar sei, sowie das schwelgerische und angeblich dekadente Leben seines Gegners.[1]

In Rom liefen nicht ganz an den Haaren herbeigezogene Gerüchte über das luxuriöse und ausschweifende Leben am Hof in Alexandria um. Antonius’ Freund Lucius Munatius Plancus soll, meergrün bemalt, nackt und mit angebundenem Fischschwanz bei einem Mahl vor Kleopatra und deren Gästen getanzt, sich also für einen römischen Senator äußerst unwürdig benommen haben.[2] Das Herrscherpaar habe wüste Trinkgelage und Orgien gefeiert. Auch der Vorwurf, dass Kleopatra eine Hure sei, wurde erhoben.[3] Es sind aber nur ihre Beziehungen zu Caesar und Antonius bekannt. Ihre angebliche Verschwendungssucht wurde in einer anderen Erzählung behandelt: Die „Dirnen-Königin“ (so Plinius) habe bei einem luxuriösen Bankett das Essen als ärmlich abgetan, mit dem ungläubigen Antonius gewettet, eine wesentlich teurere Mahlzeit auftragen zu können, und diese Wette durch den Schiedsspruch des Munatius Plancus dadurch gewonnen, dass sie eine riesige Perle in scharfem Essig auflöste und diesen trank. Diese Episode dürfte erfunden sein, da Essig nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keine Perlen zersetzen kann.[4] Einen Hinweis auf einen gewissen Wahrheitsgehalt dieser von Kleopatra und Antonius berichteten Geschichten liefert die auf den 28. Dezember 34 v. Chr. datierte Inschrift eines Parasitos (Tischgenosse), der Antonius als Gott und Wohltäter lobt und dabei offenbar auf die „Genossen vom unnachahmlichen Leben“ hinweist, die täglich aufwendige Bankette für Antonius gestalteten.[5]

Auf besonders tiefem Niveau bewegten sich gegenseitige Angriffe der beiden römischen Machthaber auf das angeblich zügellose Sexualleben des jeweils anderen. In einem erhaltenen, an Octavian gerichteten Brieffragment (das etwa auf 33 v. Chr. zu datieren ist) meinte Antonius, dass es gleichgültig sei, mit welcher Frau man schlafe, und fragte seinen Rivalen, warum ihn jetzt auf einmal seine Beziehung zu Kleopatra störe und ob er es denn so genau mit den ehelichen Pflichten nehme.[6]

Da die in Rom unbeliebte Kleopatra als fremdländische Vasallenkönigin für Octavian eine wesentlich bessere Angriffsfläche bot als der immer noch angesehene Antonius, stellte er die Ägypterin zunehmend in den Fokus seiner Propaganda. Die Orientalin maße sich an, über römische Territorien zu regieren und das Kommando über römische Legionen zu führen. Antonius habe die heimischen Götter verraten, sei von Kleopatra verhext worden und ihr daher willenlos verfallen. Letztlich gewann Octavian den von ihm meisterhaft beherrschten Propagandakrieg, nicht zuletzt weil er Antonius’ Beziehung zu Kleopatra so weidlich ausnutzen konnte.

Trotz der Spannungen mit Octavian zog Antonius im Sommer 33 v. Chr. durch Armenien in Richtung Araxes, wahrscheinlich weil sein Verbündeter Artavasdes von Medien eine baldige Partheroffensive fürchtete. Doch unterwegs erhielt er eine gegen seine früheren Anklagen gerichtete scharfe Antwort Octavians, der sich zum Teilen seiner Kriegsbeute bereit erklärte, falls Antonius mit ihm Armenien teilte und dessen Veteranen ausdrücklich von der Ansiedlung in Italien ausschloss, was einer Kriegserklärung nahekam. Daher ließ Antonius das Partherproblem ruhen und wandte sich nach Westen. Sein Feldherr Publius Canidius Crassus brachte den Hauptteil der Armee, 16 Legionen, von Armenien nach Ephesos, wo Antonius auch seine Schiffe versammelte und den Winter 33/32 v. Chr. gemeinsam mit Kleopatra verbrachte. Die Königin finanzierte mit 20.000 Talenten hauptsächlich das kriegerische Unternehmen und steuerte auch ein Viertel der Flotte bei, nämlich 200 Schiffe, die vor allem die Verproviantierung der Truppen übernahmen.[7]

Octavians Propaganda spielte die Teilnahme Kleopatras am Feldzug als Skandal hoch. Offenbar wurden in Italien Gerüchte über ihr angeblich anmaßendes Benehmen gestreut. Antonius, den sie überall hin begleitete, habe sie seine Herrin nennen müssen und sei oft hinter ihrer Sänfte hergelaufen. Durch ausschweifende Feste seien die kriegerischen Vorbereitungen gestört und viele römische Freunde des Antonius seien von der Königin verletzend behandelt worden.[8] Zahlreiche Kunstwerke sollen zur Verschönerung Alexandrias aus Kleinasien geraubt worden sein. Ebenso wurde die Alexandrinische Bibliothek mit vielen Buchrollen aus der Bibliothek von Pergamon bereichert.[9]

Nach dem Auslaufen des Triumvirats und der damit verbundenen Vollmachten wurden die Antoniusanhänger Gnaeus Domitius Ahenobarbus und Gaius Sosius am 1. Januar 32 v. Chr. Konsuln und attackierten den abwesenden Octavian in einer Senatsrede sogleich scharf. Als Antwort erhob Octavian im Februar 32 v. Chr. schwere Vorwürfe gegen Antonius, war dabei aber im Senat mit einer bewaffneten Schar erschienen. Ein Drittel der 1.000 Senatoren und die Konsuln flohen daraufhin zu Antonius nach Ephesos.[10] Offenbar war also Antonius – entgegen den Aussagen von Octavians Propaganda – in Rom noch durchaus populär und hätte mit Hilfe des römischen Staatsrechts, nämlich durch Bildung eines Gegensenats, um die Legitimität der Herrschaft streiten können. Doch nützte Antonius dieses Mittel wohl nicht, weil sich Kleopatra in diesem Fall wenigstens für einige Zeit hätte zurückziehen müssen. Daher suchte vor allem Domitius Ahenobarbus den Triumvirn zu einer Heimschickung Kleopatras nach Ägypten zu bewegen und vertrat mit dieser Meinung die Einstellung des stadtrömischen Adels zu Kleopatra. Andererseits gehörte etwa Canidius Crassus nicht zu den eben aus Rom angereisten Antonianern und kannte die dortige feindliche Stimmung gegen die Königin daher weniger gut. Angeblich von Kleopatra bestochen, konnte er bei Antonius ihren Verbleib im Hauptquartier durch Hinweis auf ihren großen finanziellen Beitrag und ihre Klugheit durchsetzen.[11]

Im April 32 v. Chr. verlegte Antonius das Hauptquartier weiter westlich nach Samos, wohin verbündete Fürsten meist persönlich mit Hilfstruppen und Vorräten kamen. Hier wurden luxuriöse Feste mit dionysischen Veranstaltungen gefeiert.[12] Antonius Freund und Bundesgenosse, Herodes, wollte ebenfalls Hilfskontingente mitbringen, doch laut dem jüdischen Historiker Josephus – dem die Forschung weitgehend folgt – setzte Kleopatra durch, dass Antonius den jüdischen König stattdessen unter einem Vorwand beauftragte, die Nabatäer zu bekämpfen, damit sich beide Reiche gegenseitig schwächten, vor allem aber wohl, weil die Königin Herodes’ Einfluss auf Antonius fürchtete. Dagegen glaubt der Historiker Christoph Schäfer, dass einige arabische Stämme gegen ihren romtreuen Oberherrn Malchos rebellierten und auch ptolemäisches Gebiet angriffen, sodass Herodes notwendigerweise zu deren Bekämpfung hätte zurückgeschickt werden müssen; nach Octavians Sieg habe er dann daraus eine gegen seine Person gerichtete Intrige Kleopatras gemacht, um beim neuen Machthaber in günstigem Licht zu erscheinen[13]

Im Mai/Juni 32 v. Chr. machte Antonius bei seinem langsamem Vormarsch nach Westen in Athen halt. Kleopatra beschenkte die Bürger der Stadt reich und erhielt als Dank ein von einer athenischen Delegation mit Antonius an der Spitze überreichtes Ehrendekret. In Form von Göttern gefertigte Statuen des Herrscherpaares wurden auf der Akropolis platziert.[14] Nun konnte Kleopatra auch erreichen, dass Antonius seiner Gattin Octavia den Scheidebrief nach Rom zusandte. Damit bestätigte er offiziell die praktisch längst vollzogene Trennung und forderte Octavian offen heraus. Politisch konnte er aber insbesondere bei seinen römischen Anhängern damit nichts gewinnen und Octavian erhielt eine weitere Bestätigung für seine Behauptung, dass Antonius völlig von Kleopatra abhängig und gewissermaßen von ihr verhext worden sei. Nur die Königin profitierte durch eine noch engere Bindung des Triumvirn an ihre Person.[15]

Eine weitere Möglichkeit zur Gewinnung der öffentlichen Meinung bot sich Octavian, als Munatius Plancus und sein Neffe Marcus Titius im Juni oder Juli 32 v. Chr. zu Octavian überliefen und den Aufbewahrungsort sowie Inhalt von Antonius’ Testament verrieten. Es bestätigte die großen Legate an Kleopatras Kinder und enthielt insbesondere die Bestimmung, dass, sollte Antonius’ Tod in Rom erfolgen, sein Leichnam zur Bestattung zu Kleopatra nach Alexandria zu überführen sei. Die Bekanntgabe dieser Klauseln kostete Antonius viel Ansehen. Da sich Octavian das Dokument ganz entgegen seiner sonstigen Achtung altrömischer religiöser Bräuche widerrechtlich bei den Vestalinnen in Rom beschaffte, wo es hinterlegt worden war, ist zumindest davon auszugehen, dass Antonius tatsächlich dort sein Testament aufbewahrt hatte. Allerdings hätte Octavian den Inhalt fälschen können, da er das Testament zuerst an sich nahm.[16] Die Veröffentlichung des Testaments und Antonius’ Scheidung von Octavia bewirkten, dass sich die öffentliche Stimmung in Rom immer mehr gegen Antonius wandte.

Octavian hatte nun lange genug die Volksmeinung bearbeitet, um Mitte 32 v. Chr. Antonius durch Senatsbeschluss die Designation zum Konsul für 31 v. Chr. und das militärische Imperium aberkennen sowie den Kriegsbeschluss gegen Kleopatra verkünden zu lassen.[17] Bewusst erklärte er nur der ägyptischen Königin und nicht Antonius den Krieg, um den Anschein zu erwecken, dass es sich um die Verteidigung des Vaterlandes gegen einen äußeren Feind und nicht um einen neuen Bürgerkrieg handle. Antonius sei durch Kleopatras Zaubertränke unzurechnungsfähig geworden. Propagandistisch überspitzt wurde ein angebliches Gelübde der Ptolemäerkönigin zitiert: „So wahr ich auf dem Kapitol Recht sprechen werde“,[18] um sie zur Gefahr für Italien selbst hochstilisieren zu können. Die Angst, sie werde in Rom Herrschaftsansprüche stellen, schien außerdem durch den Namen ihres Sohnes Caesarion und die Betonung seiner Abstammung von Caesar gerechtfertigt. Octavian verbreitete, es gehe um die Entscheidung, ob ein ägyptisch-hellenistisches Reich künftig von Alexandria aus auch über Rom gebieten werde. Der Nachhall dieser angeblich von Kleopatra drohenden Gefahr findet sich bei augusteischen Dichtern wie Horaz oder Properz. Mit dieser geschickten Propaganda versammelte Octavian fast den gesamten von ihm beherrschten Teil des römischen Reichs hinter sich.[19]

[Bearbeiten] Krieg in Griechenland bis zur Schlacht von Actium

Gemäß Antonius’ Defensivstrategie wurde sein zu einem guten Teil aus Kontingenten asiatischer Vasallenfürsten bestehendes Hauptheer von etwa 100.000 Mann Infanterie und 12.000 Reitern Ende 32 v. Chr. wegen Verproviantierungsproblemen in langgestreckter Linie von Methone im Süden bis Kerkyra im Norden entlang der griechischen Westküste positioniert. Hauptstützpunkt der Flotte war der gut geeignete Golf von Ambrakia bei Actium. In Kyrene, Ägypten und Syrien blieben zur Verteidigung stärkere Truppenverbände zurück. Im in der Mitte seiner Schlachtordnung gelegenen Patrai verbrachten Antonius und Kleopatra den Winter 32/31 v. Chr.[20]

Anfang 31 v. Chr. segelte Octavians exzellenter Admiral Marcus Vipsanius Agrippa zur Peloponnes, eroberte Methone und bald danach Kerkyra, bedrohte Antonius’ Zufuhrwege zur See und ermöglichte mit seinen militärischen Aktionen, dass Octavian mit dem Hauptheer von etwa 80.000 Mann ungestört etwa 200 km nördlich von Actium landen und rasch bis in die Nähe des Golfes von Ambrakia gelangen konnte. Dort war Octavians Flotte schon früher erschienen, konnte aber wegen der starken Verteidigungsbauten nicht in den engen Eingang des Golfes eindringen. Daher fand der herbeigeeilte Antonius immerhin seine Schiffe unbeschädigt vor. Octavian baute nördlich von der Stellung seines Gegners ein Lager und eine Flottenstation auf und versperrte mit seinen Schiffen der feindlichen Flotte den Weg aus dem Meerbusen. Da die Bucht von Gomaros Octavians Schiffe nicht genügend vor einer Sturmgefahr schützte, wollte er rasch eine entscheidende Schlacht herbeiführen, doch nahm sie Antonius vorerst nicht an, da er erst die Ankunft seiner weit zerstreuten Truppen abwartete. Danach bot er den Kampf an, doch inzwischen hatte Agrippa für Octavian durch Eroberung der Insel Leukas einen guten Hafen gesichert. Dagegen wurde Antonius von der Verproviantierung zur See, nach der etwas später erfolgten Einnahme von Patrai und Korinth auch zu Land von der Peloponnes abgeschnitten.[21]

Antonius’ Heer litt stark unter Agrippas monatelanger Blockade. Das Sumpfklima Actiums sorgte jetzt im heißen Sommer für besondere Probleme und zahlreiche Soldaten starben an Seuchen oder Hunger. Auf gesunder Höhe waren dagegen die Truppen Octavians positioniert, der auch sichere Verproviantierung aus Italien erhielt. In der Folge desertierten zahlreiche Klientelfürsten mit ihrer Reiterei, aber auch Antonius’ bald darauf verstorbener Freund Domitius Ahenobarbus, dem anscheinend das immer enger werdende Verhältnis von Antonius zur ägyptischen Königin ein Dorn im Auge war. Auch andere Antonianer hielten den Kampf gegen Octavian für einen innerrömischen Konflikt und stellten sich gegen die Partei, die den Krieg mit Unterstützung Kleopatras beenden wollte. Da auch einige Ausbruchsversuche fehlschlugen, verschlechterte sich die Stimmung in Antonius’ Heer immer mehr.[22]

So entschloss sich Antonius Ende August 31 v. Chr. zu einem konzentrierten Befreiungsschlag mit der gesamten Armee, um Agrippas Blockade zu durchbrechen. Entgegen dem Rat des Canidius Crassus, eine Schlacht zu Lande zu riskieren und über Makedonien abzuziehen, setzte sich Kleopatra im Kriegsrat mit dem Plan durch, mit der Flotte eine Sprengung von Agrippas Blockade zu versuchen und im Erfolgsfall nach Ägypten zu segeln, das sie bei einer Durchführung von Canidius’ Plan für ungeschützt hielt. Auf 170 Kampfschiffe und 60 Schiffe Kleopatras wurden 20.000 Elitesoldaten und die Kriegskasse verladen sowie die restlichen wegen der hohen Verluste nicht mehr zu bemannenden Schiffe verbrannt. Wegen der Überlegenheit von Octavians Flotte suchte Antonius wohl von vornherein keinen Sieg zu erringen, sondern nur der Blockade Agrippas zu entkommen, um den Krieg später unter besseren Bedingungen erneuern zu können. Daher nahm er auch die für eine Schlacht hinderlichen Großsegel mit, um nach geglücktem Durchbruch rasch nach Ägypten gelangen zu können. Canidius Crassus sollte mit dem noch recht starken Landheer nach Osten abmarschieren. Doch der im Bedarfsfall immer die Fronten wechselnde Quintus Dellius ging nach dem Kriegsrat zu Octavian über und verriet ihm Antonius’ Plan.[23]

Das als Schlacht bei Actium in die Geschichte eingegangene Seegefecht vom 2. September 31 v. Chr. begann mit einem Vorstoß von Antonius’ Flotte. Die gegnerischen leichten Liburnen wichen zurück und umschwärmten auf hoher See Antonius’ unbeweglichere und größere Schiffe, machten etliche von diesen beim schnellen Vorbeifahren durch Zerbrechen von Ruder- und Steuerwerk manövrierunfähig, mussten sich aber rasch zurückziehen, um nicht von den auf sie herabprasselnden Steinen und Pfeilen versenkt zu werden. Als sich das Gefecht für Antonius verschlechterte, stießen Kleopatras 60 hinter der Kampfzone befindlichen Schnellsegler am Nachmittag bei günstigem Wind durch eine in der Schlachtordnung entstandene Lücke und segelten den kämpfenden Schiffen davon. Antonius folgte und wurde an Bord von Kleopatras Flaggschiff genommen. Die meisten seiner Kampfschiffe konnten sich aber nicht lösen und wurden nach heftigem Widerstand versenkt oder mussten kapitulieren. Seit Kromayers Forschungen ab Ende des 19. Jahrhunderts wird Kleopatras Manöver von der Wissenschaft nicht mehr, wie in den melodramatischen Berichten antiker Autoren dargestellt, als verräterische Flucht mit anschließendem feigen Nachfolgen eines verliebten Antonius, sondern als Umsetzung des Kriegsratsplanes zur Sprengung von Agrippas Blockade gesehen. Nach dem Ende der Schlacht zog das am Kampf unbeteiligte Landheer des Antonius nach Makedonien ab, ergab sich aber sieben Tage später, nachdem Canidius Crassus geflohen war. So gehörten Griechenland und Makedonien nun zu den Eroberungen Octavians, aber Antonius und Kleopatra hatten wenigstens die Kriegskasse und ein Viertel der Flotte retten können und den Krieg noch nicht gänzlich verloren.[24]

[Bearbeiten] Das letzte Jahr von Antonius und Kleopatra

Antonius war laut seinem Biographen Plutarch nach der verlorenen Schlacht verzweifelt. Er trennte sich bei Paraitonion, der Grenzfestung zwischen Kyrene und Ägypten, von seiner Geliebten, um vier Legionen in der Kyrenaika zu übernehmen, wurde aber vom zu Octavian übergegangenen Statthalter Lucius Pinarius Scarpus abgewiesen. Kleopatra legte unterdessen unter Siegeshymnen im Hafen von Alexandria an, als ob sie gewonnen hätte, um Aufständen vorzubeugen. Doch kam die Wahrheit bald ans Tageslicht und die Königin ließ viele adlige Ägypter hinrichten, die sie der Rebellion verdächtigte. Deren Besitz soll sie zwecks Auffüllung des Staatsschatzes zur Finanzierung neuer Rüstungen ebenso eingezogen haben wie zahlreiche Tempelschätze. Den seit 34 v. Chr. gefangenen König Artavasdes von Armenien ließ sie enthaupten und schickte seinen Kopf dem gleichnamigen Mederfürsten, um diesen zu weiterer Unterstützung zu bewegen. Ohne Legionen aus Kyrene kam der tief deprimierte Antonius nach Alexandria, als Kleopatra ihre reich beladenen Schiffe vom Nil durch einen versandeten Kanal an den Golf von Suez ziehen ließ, um über das Rote Meer nach Arabien oder Indien zu fliehen. Doch die ihr feindlich gesinnten Nabatäer verbrannten auf Anstiften des neuen syrischen Statthalters Quintus Didius ihre Flotte.[25]

Kleopatra soll noch viele unrealistische Pläne erwogen haben. Dagegen bewohnte der depressive ehemalige Triumvir nun in Alexandria ein einsames Haus, das er nach dem bekannten Misanthropen Timon als Timoneion bezeichnete. Noch dazu erfuhr er vom damals in Alexandria eingetroffenen Canidius Crassus, dass sein Landheer kapituliert hatte. Sämtliche Klientelfürsten einschließlich Herodes waren außerdem zu Octavian übergelaufen. Herodes und Didius hatten auch eine starke Gladiatorenschar aufgehalten, die zur Unterstützung von Antonius nach Alexandria ziehen wollte. So hatte der Sieger von Actium die Möglichkeit, von Osten wie von Westen auf dem Landweg ungehindert bis an die Grenzen Ägyptens vorzudringen. Vom Timoneion übersiedelte Antonius aber zur Aufheiterung seiner Stimmung wieder in den Palast und labte sich an üppigen Gelagen. Kleopatra soll zum Tode Verurteilten verschiedene Gifte verabreicht haben, um das am schmerzlosesten wirkende für einen vielleicht damals geplanten Selbstmord herauszufinden, und dabei auf den Kobrabiss verfallen sein. Ein angeblich in Herculaneum gefundener Papyrus beschreibt ausführlich die Todesqualen der Delinquenten, wurde aber 1998 als geschickte neuzeitliche Fälschung erwiesen. Die Medizin Alexandrias war längst fortgeschritten genug, um Kleopatra ein geeignetes Gift empfehlen zu können. Zu dieser Zeit erfolgte auch die Mündigkeitserklärung des ältesten Sohnes von Antonius, Antyllus, und des ältesten Sohnes von Kleopatra, Caesarion, der wohl durch diesen Schritt im Notfall zur vollständigen Übernahme der Regierungsgeschäfte ermächtigt wurde. Damit hatte Octavian später ein zusätzliches Motiv, Caesarion zu beseitigen.[26]

Weil es unter den nach Italien zurückgekehrten Veteranen wegen ausstehender Zahlungen zu Unruhen gekommen war, musste Octavian im Winter 31/30 v. Chr. von Samos nach Brundisium zurückkehren, konnte aber beruhigend einschreiten und Italien bald wieder verlassen. Auf Rhodos traf er Herodes, der ihm als neuen Herrn huldigte. Angeblich rechtfertigte Herodes kühn seine frühere Treue zu Antonius und begründete seinen Abfall damit, dass der Verlierer von Actium nicht seinen Rat befolgt und Kleopatra getötet habe. Nun unterstützte der jüdische König Octavians Vormarsch gegen Ägypten.[27] Kleopatra schickte Boten mit den Kroninsignien zu dem mittlerweile in Kleinasien angelangten Octavian und bot ihren Thronverzicht an, wenn ihre Kinder weiterregieren könnten. Antonius bat angeblich, als Privatmann in Alexandria oder Athen wohnen zu dürfen. Die Wünsche waren völlig unrealistisch. Octavian gab Antonius keine Antwort, forderte von Kleopatra vor weiteren Verhandlungen die Abdankung und soll ihr heimlich versprochen haben, dass sie Königin bleiben dürfe, wenn sie Antonius beseitige. Laut Cassius Dio habe es zwei weitere ergebnislose Gesandtschaften zu Octavian gegeben. Der Historiker Christoph Schäfer hält die angeblichen Bitten des Antonius für octavianische Propaganda zur Herabwürdigung des Verlierers, die diplomatischen Bemühungen Kleopatras aber für wahrscheinlich. Die Königin habe die Chancen für einen Fortbestand ihrer Dynastie ausgelotet und Octavian habe sie in ihren Hoffnungen bestärkt, damit sie sich nicht mit den in ihrem Mausoleum deponierten Schätzen verbrannte, die der neue Princeps dringend zur Bezahlung seiner Soldaten brauchte.[28]

Octavians General Gaius Cornelius Gallus übernahm in Kyrene die Truppen von Pinarius Scarpus und bemächtigte sich Paraitonions, der westlichen Grenzfestung Ägyptens. Auch der östliche Verteidigungsposten Ägyptens, Pelusion, fiel rasch, vielleicht durch (angeblich von Kleopatra befohlenen) Verrat des Kommandanten Seleukos. Nun drangen Octavians Truppen ohne Probleme bis Alexandria vor, doch wurde seine Kavallerie beim Hippodrom östlich der Hauptstadt von Antonius besiegt. Dieser nahm ein letztes reichliches Abendmahl ein und wollte am nächsten Tag (1. August 30 v. Chr.) die Entscheidungsschlacht suchen, aber die ägyptische Flotte und Reiterei ergaben sich kampflos und daraufhin auch Alexandria. Antonius soll geschrien haben, von Kleopatra verraten worden zu sein.[29]

Antonius kehrte eilig nach Alexandria zurück, erhielt auf Befehl Kleopatras die falsche Nachricht von ihrem Selbstmord und stürzte sich ins Schwert. Jedoch starb er nicht sogleich und erfuhr, dass Kleopatra noch lebe und mit ihren zwei treuen Zofen Iras und Charmion in ihrem beim Isistempel gelegenen Mausoleum warte. Schwer verwundet ließ er sich zu ihr tragen und wurde, da das Grabgebäude aus Angst vor einer Gefangennahme verriegelt worden war, von Kleopatra und ihren Zofen mit Seilen durch ein offenes Fenster hochgezogen und ins Innere gehievt. Er starb in den Armen seiner sich tief verzweifelt gebärdenden Geliebten. Diese Sterbeszene wird von Plutarch sentimental ausgemalt.[30]

Die Frage, ob Kleopatra Antonius’ Tod absichtlich verschuldete, ist umstritten. Während Felix Stähelin und E. Bevan annehmen, dass sie ihn durch die falsche Information ihres Todes in den Selbstmord trieb, um dadurch leichter mit Octavian zu einer Verständigung – zumindest bezüglich ihrer Kinder – zu kommen, hält Joachim Brambach den von Hans Volkmann vorsichtig formulierten Entlastungsversuch der Königin von diesem Vorwurf für möglich. Nach dieser Hypothese wollte Kleopatra vielleicht Antonius zu einem ehrenvollen Tod verhelfen, weil er sonst womöglich doch keinen Selbstmord verübt und so nach Ansicht der Römer nicht in Würde gestorben wäre; denn Octavian hätte ihn keinesfalls am Leben gelassen.[31]

Mit einem Trick gelang es Octavian bald danach, Kleopatra im Mausoleum gefangenzunehmen und sich ihrer Schätze zu bemächtigen. Sie lebte zwölf Tage in römischer Haft, ehe es ihr auf nicht genau geklärte Weise gelang, Selbstmord zu verüben (siehe Kleopatra VII.#Das Rätsel von Kleopatras Tod).

[Bearbeiten] Octavians Triumph

Nach dem Doppelselbstmord des Herrscherpaares ließ Octavian den ältesten Sohn Kleopatras, Caesarion, und den ältesten Sohn von Antonius, Antyllus, vorsorglich hinrichten. Ägypten wurde als römische Provinz eingezogen. Durch den Sieg gegen seinen ehemaligen Triumviratskollegen konnte sich Octavian somit endgültig zum alleinigen Machthaber des Römischen Reichs aufschwingen und dessen erster Kaiser werden. Damit waren auch die schon seit vielen Jahrzehnten tobenden vorangegangenen Bürgerkriege endgültig beendet.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

[Bearbeiten] Allgemeine Darstellungen

[Bearbeiten] Biografien

[Bearbeiten] Anmerkungen

  1. Plutarch, Antonius 55; Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 1; Sueton, Augustus 69; dazu Michael Grant, 1998, S. 258-262; Christoph Schäfer, 2006, S. 188-189.
  2. Velleius 2, 83, 1f.
  3. Properz 3, 11, 10; Cassius Dio, Römische Geschichte 51, 15, 4.
  4. Plinius, Naturgeschichte 9, 119–121; dazu Manfred Clauss, 2000, S. 66; Christoph Schäfer, 2006, S. 186.
  5. Wilhelm Dittenberger, Orientis Graeci Inscriptiones Selectae 1, 195; vgl. Plutarch, Antonius 28, 2; 71, 4; dazu Michael Grant, 1998, S. 248; Christoph Schäfer, 2006, S. 185-186.
  6. Sueton, Augustus 69, 2; dazu Christoph Schäfer, 2006, S. 188-189.
  7. Plutarch, Antonius 55, 4 – 56, 2; dazu Michael Grant, 1998, S. 263 und 267; Christoph Schäfer, 2006, S. 196-197.
  8. Vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 5; Plutarch, Antonius 58, 9 – 59, 8; dazu Michael Grant, 1998, S. 269 und 276; Christoph Schäfer, 2006, S. 208-209.
  9. Strabo, Geographie 13, 595; 14, 637; Plinius, Naturgeschichte 34, 58; Plutarch, Antonius 58, 9.
  10. Cassius Dio, Römische Geschichte 49, 41, 4–6; 50, 2, 4–7; Sueton, Augustus 17, 2; dazu Michael Grant, 1998, S. 264-265; Christoph Schäfer, 2006, S. 197-198.
  11. Plutarch, Antonius 56, 3–6; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 281-282; Manfred Clauss, 2000, S. 78; Christoph Schäfer, 2006, S. 203 und 206.
  12. Plutarch, Antonius 56, 6–10; dazu Michael Grant, 1998, S. 271-272; Christoph Schäfer, 2006, S. 201-202.
  13. Josephus, Jüdische Altertümer 15, 106–110; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 293-294; Christoph Schäfer, 2006, S. 199-201.
  14. Plutarch, Antonius 57, 1–3; Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 15, 2; dazu Michael Grant, 1998, S. 275; Christoph Schäfer, 2006, S. 202-203.
  15. Plutarch, Antonius 57, 4-5; Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 3, 2; 50, 26, 2; dazu Manfred Clauss, 2000, S. 80–81; Christoph Schäfer, 2006, S. 206-207.
  16. Plutarch, Antonius 58, 4-8; Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 3, 1–5; Sueton, Augustus 17, 1; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 283–287 (Testamentsklauselfälschung durch Octavian unwahrscheinlich); Michael Grant, 1998, S. 266-267 (Octavian fälschte die Klauseln); Christoph Schäfer, 2006, S. 209-213 (Zutreffen des Fälschungsvorwurfs offengelassen).
  17. Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 4, 4–5; 50, 6, 1; 50, 21, 1; 50, 26, 3–4; Plutarch, Antonius 60,1.
  18. Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 5, 4.
  19. Michael Grant, 1998, S. 260 und 277-279; Günther Hölbl, 1994, S. 221–222; Christoph Schäfer, 2006, S. 213-214.
  20. Manfred Clauss, 2000, S. 82 und 85; C. Schäfer, 2006, S. 214-218. – Hauptquellen für den nun folgenden Krieg der beiden römischen Machthaber bis zur Niederlage von Antonius bei Actium sind Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 11–35 und Plutarch, Antonius 61–68.
  21. Hauptquelle: Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 11–13; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 296-299; Manfred Clauss, 2000, S. 85–89; Christoph Schäfer, 2006, S. 218-222.
  22. Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 13–14; Plutarch, Antonius 59 und 63; dazu Manfred Clauss, 2000, S. 89–91; Michael Grant, 1998, S. 284-287.
  23. Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 15, 1–4; 50, 23, 3; Plutarch, Antonius 59, 7–8; 63, 6–64, 4; dazu Manfred Clauss, 2000, S. 91–94; Michael Grant, 1998, S. 287-290; Christoph Schäfer, 2006, S. 222-224.
  24. Cassius Dio, Römische Geschichte 50, 31–35; 51, 1, 4–5; Plutarch, Antonius 65–68; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 302–309; Manfred Clauss, 2000, S. 95–98; Christoph Schäfer, 2006, S. 224-230.
  25. Cassius Dio, Römische Geschichte 51, 5, 3–6; 51, 7, 1; Plutarch, Antonius 69, 1–5; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 312-314; Christoph Schäfer, 2006, S. 230-231.
  26. Cassius Dio, Römische Geschichte 51, 6, 1; 51, 7, 2–6; 51, 11, 2; Plutarch, Antonius 69, 6–7; 71, 1–8; dazu Michael Grant, 1998, S. 300; Christoph Schäfer, 2006, S. 231-235.
  27. Josephus, Jüdische Altertümer 15, 187–201; dazu Christoph Schäfer, 2006, S. 237-239.
  28. Plutarch, Antonius 72, 1-2; 73, 1; Cassius Dio, Römische Geschichte 51, 6, 4-6; 51, 8, 1-7; dazu Michael Grant, 1998, S. 303-304; Christoph Schäfer, 2006, S. 235-238.
  29. Plutarch, Antonius 74-76; Cassius Dio, Römische Geschichte 51, 9–10; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 319-322; Michael Grant, 1998, S. 304-307.
  30. Plutarch, Antonius 76, 4 – 77, 7; vgl. Cassius Dio, Römische Geschichte 51, 10, 5–7; dazu Joachim Brambach, 1996, S. 322-323; Christoph Schäfer, 2006, S. 241-242.
  31. Joachim Brambach, 1996, S. 323-324; 327; unentschieden Christoph Schäfer, 2006, S. 241.
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