Simultanbühne

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Die Simultanbühne war eine Bühnenform der Mysterienspiele des Spätmittelalters. Bei ihr waren alle Schauplätze gleichzeitig nebeneinander aufgebaut, meist rund um einen Marktplatz. Die mittelalterliche Simultanbühne drückt, ähnlich wie simultane Darstellungen in der damaligen Bildenden Kunst, ein vormodernes Zeitverständnis aus: Die simultanen Handlungen sind nicht deshalb parallel, weil sie gleichzeitig stattfinden, sondern weil sie einen vergleichbaren Stellenwert haben. – Eine Art Vorläufer der Simultanbühne war die Wagenbühne.

Seit dem 19. Jahrhundert kommt im Bereich des Boulevardtheaters eine „realistische“ Art der Simultanbühne auf, etwa eine Dekoration mit zwei Zimmern, die durch eine Wand getrennt, aber durch eine Türe verbunden sind. Die Handlungen in diesen beiden Zimmern sind strikt gleichzeitig. In der Theatergeschichte des 20. Jahrhunderts kam es wiederum zu einem Aufbrechen dieses strengen Realismus, oft im Zusammenhang mit modernen Medien wie Filmprojektionen. Die Theateravantgarde der 1920er-Jahre bediente sich intensiv der Simultanbühne (z. B. Piscators Uraufführung von Ernst Tollers Hoppla, wir leben, 1927).

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