Streitkräfte der Vereinigten Staaten
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| Führung | |||
|---|---|---|---|
| Oberbefehlshaber: | Präsident der Vereinigten Staaten (derzeit George W. Bush) | ||
| Verteidigungsminister: | Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten (derzeit Robert Gates) | ||
| Militärischer Befehlshaber: | ADM Michael G. Mullen | ||
| Militärische Führung: | Generalstab | ||
| Sitz des Hauptquartiers: | Arlington County, Virginia | ||
| Militärische Stärke | |||
| Aktive Soldaten: | 1.375.441[1] | ||
| Reservisten: | 860.000 | ||
| Wehrpflicht: | ausgesetzt | ||
| Wehrtaugliche Bevölkerung: | insgesamt (Männer und Frauen; Alter 15–49): 109.305.756 (2005; Schätzung)[2] | ||
| Wehrtauglichkeitsalter: | vollendetes 18. Lebensjahr, Verpflichtung ab dem vollendeten 17. Lebensjahr mit Zustimmung der Eltern möglich.[2] | ||
| Anteil der Soldaten an der Gesamtbevölkerung: | 0,46 % | ||
| Haushalt | |||
| Militärbudget: | $ 410,6 Milliarden (Fiskaljahr 2006; Schätzung)[3] | ||
| Anteil am BNE: | 3,7 % (Fiskaljahr 2006; Schätzung) | ||
| Geschichte | |||
| Gründung: | 1784 | ||
| Faktische Gründung: | 1775 | ||
| Höchste Mannstärke: | 12.123.000[4] (1945) | ||
Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten (offizielle englische Bezeichnung: United States Armed Forces, inoffiziell meist US military) sind das kostenintensivste und in Bezug auf die Personalstärke zweitgrößte Militär der Welt. Sie gliedern sich in fünf Teilstreitkräfte und stellen eine feste Größe der Außenpolitik der Vereinigten Staaten dar.
Die Streitkräfte der Vereinigten Staaten bestehen aus etwa 1,37 Millionen aktiven Soldaten und knapp 860.000 Reservisten, mit allen Truppenteilen der Reserve ergab sich im Haushaltsjahr 2004 eine Stärke von knapp 2,58 Millionen Mann.[5] Zusätzlich verfügen sie über etwa 667.000 zivile Mitarbeiter.[6] Oberbefehlshaber ist der Präsident der Vereinigten Staaten, während die zwei Kammern im Kongress die demokratische Kontrolle ausüben. Die älteste Teilstreitkraft ist das Heer, welches 1775 gegründet wurde, die jüngsten sind die Luftstreitkräfte von 1947.
Nach weitläufiger Fremdeinschätzung[7][8][9][10] und amerikanischer Eigendarstellung[11] sind die Streitkräfte der USA die schlagkräftigsten der Welt. Diese Schlagkraft fußt auf dem mit Abstand größten Militärbudget der Welt, aus dem die größten Anteile in Aufklärung, Information, Ausrüstung und Technologie fließen. Entwicklungen im Militär der Vereinigten Staaten sind für die Partner in der NATO, deren führendes Mitglied die Vereinigten Staaten sind, und andere Verbündete wegweisend.[12]
Die Stärke des Militärs orientiert sich seit jeher an der Bedeutung, die sich die Vereinigten Staaten außenpolitisch beimessen, sodass Streitkräfte und Diplomatie eine parallele Entwicklung durchliefen. So war das Militär sowohl durch dutzende Interventionen im Ausland als auch durch seine abschreckende Wirkung nach außen hin für den Aufstieg des Landes zur Supermacht und für den Erhalt dieses Status über den Kalten Krieg hinaus mitverantwortlich. Neben dem weltweiten Zerfall staatlicher Strukturen hat der militärische Vorsprung der Vereinigten Staaten das Auftreten asymmetrischer Kampfformen begünstigt, die die US-Streitkräfte vor strategische Herausforderungen stellen.[9][10]
[Bearbeiten] Geschichte
- Hauptartikel: Militärgeschichte der Vereinigten Staaten
Vor und während der Gründung der Vereinigten Staaten entstanden quasi-militärische Gruppierungen aus schlecht ausgebildeten Milizen unter dem Kommando der Bundesstaaten. Ein Beschluss des Kontinentalkongresses sah die Gründung einer Kontinentalarmee vor, in der diese zusammengefasst werden sollten. Diese Streitkraft gewann den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg unter dem Kommando von George Washington, wurde jedoch in Anlehnung an die Ideale der Revolution danach wieder aufgelöst.
Mit der Zeit wurde die Notwendigkeit eines stehenden Heeres sowie einer Marine offensichtlich. Die Bestellung mehrerer Fregatten im Jahr 1794 war die faktische Geburtsstunde der US-Marine. Das Heer fasste ein weiteres Mal die desorganisierten und schlecht ausgebildeten Kontingente der State militias zusammen, um ihre Stärken zu bündeln und ihre Schwächen zu bereinigen.
Zwischen der Gründung der Vereinigten Staaten und dem Sezessionskrieg siegten US-amerikanische Streitkräfte im amerikanisch-tripolitanischen Krieg an der nordafrikanischen Küste, konnten sich im Britisch-Amerikanischen Krieg nicht durchsetzen, ermöglichten aber die territoriale Ausdehnung der Vereinigten Staaten zum Südwesten hin. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges wurden mehrere Einheiten Teil des konföderierten Militärs, darunter einige der fähigsten Generäle. Der Krieg kostete 600 000 Menschen das Leben und dauerte vier Jahre, bis die Unionsarmee den endgültigen Sieg errang.
In der Zeit zwischen dem Bürgerkrieg und den 1890ern nahm die Bedeutung des Militärs ab, auch wenn im Zuge der stetigen West-Erweiterung der Vereinigten Staaten Einheiten der Army gegen Indianer kämpften. Zur Zeit des Jahrhundertwechsels kehrte sich dieser Trend jedoch wieder um, als die Machtfülle der Vereinigten Staaten zuzunehmen begann, was die endgültige juristische Trennung von polizeilichen und militärischen Kompetenzen erforderlich machte. Die Armee kämpfte 1898 im Spanisch-Amerikanischen Krieg und auf den Philippinen. Hinzuzurechnen sind ebenfalls Dutzende Interventionen nach der Monroe-Doktrin in Lateinamerika und die Entsendung der Great White Fleet durch den Präsidenten Theodore Roosevelt zur Demonstration des neuen nationalen Selbstbewusstseins. Mit dem Militia Act von 1903 wurde die Nationalgarde gegründet.
Im Jahre 1917 traten die Vereinigten Staaten als Reaktion auf den ausufernden uneingeschränkten U-Boot-Krieg des Deutschen Kaiserreiches in den Ersten Weltkrieg ein und leisteten vor allem durch gewaltige Mengen an Nachschub einen entscheidenden Beitrag zu seinem Ausgang. Im Zuge des amerikanischen Isolationismus in der Zwischenkriegszeit wurden weite Teile des US-Militärs zurückgeführt, jedoch z. T. bereits im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges wieder ausgehoben.
Aufgrund des japanischen Angriffs auf Pearl Harbor traten die Vereinigten Staaten im Dez. 1941 zunächst gegen Japan in den Krieg ein, wenig später erklärten die beiden Achsenmächte Deutschland und Italien den Vereinigten Staaten den Krieg. In der Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Deutschland nahmen die Streitkräfte an der Rückeroberung weiter Teile Nordafrikas, Italiens und Westeuropas teil und stellten wie im Ersten Weltkrieg eine Überlegenheit an Waffen, Truppen und Nachschub her, die den Alliierten das Niederringen des Deutschen Reiches erleichterten. Nur so war z. B. den Westalliierten die Eröffnung einer zweiten Front in der großangelegten, erfolgreich begangenen Landung in der Normandie möglich. Im Pazifik drängten sie fast ohne fremde Unterstützung die Truppen des japanischen Kaiserreiches in einem mühevollen so genannten "Island Hopping" (dt. „Inselspringen“) zurück. Die japanische Kapitulation erzwangen die Vereinigten Staaten durch den Einsatz zweier Atombomben, in deren Besitz sie sich als erste Nation der Welt seit 1944 befanden, um eine verlustreiche Invasion der japanischen Hauptinseln zu vermeiden.
Bereits in der Endphase des Zweiten Weltkrieges bahnten sich die bevorstehenden Spannungen des Kalten Krieges an. Die staatskritische Tendenz der Gesellschaft der Vereinigten Staaten, die eine Verkleinerung des Militärs nach dem Ende großer Kriege selbstverständlich gemacht hatte, wich der Furcht vor der Ausbreitung des Kommunismus, sodass amerikanische Truppen in großer Zahl im Ausland stationiert wurden.
Über 40 Jahre hinweg sollte der 1947 beschlossene National Security Act die tiefgreifendste Militärreform darstellen. Viele Behörden und Einheiten, die im gerade abgeschlossenen globalen Konflikt mit der Maßgabe ein möglichst zügiges Funktionieren gegründet worden waren, wurden nun zusammengefasst oder reformiert. Waren die Lufteinheiten im Zweiten Weltkrieg Bestandteil des Heeres, so stellte das Gesetz sie den anderen Streitkräften unter dem Dach der United States Air Force gleich. Wichtigste Neuerung war darüber hinaus die Schaffung eines zentralen Auslandsgeheimdienstes, dem im Laufe des Kalten Krieges ein ganzes Netzwerk an Geheimdiensten mit speziellen Kompetenzen zuarbeiten sollte. Ebenso beinhaltete das Gesetz die Schaffung streitkräfteübergreifender Generalstäbe und Ministerien.
Mit dem Aufkommen des Kalten Krieges entzündete sich eine Debatte um die Strategie der Streitkräfte. Führende Offiziere der Air Force vertrauten auf Kernwaffen als konventionelle Offensivmittel und verlangten massive Ausgaben im Bereich der strategischen Bomber. Demgegenüber verwies die Marine auf die Erfolge der Dominanz zur See im Zweiten Weltkrieg. Die Stornierung eines bestellten Flugzeugträgers durch Verteidigungsminister Louis Johnson, der die Luftstreitkräfte bevorzugte, führte zum Aufstand der Admirale.
Tatsächlich blieben beide Teilstreitkräfte während des Kalten Krieges überwiegend gleichberechtigt, obwohl die strategische Initiative in der Luft zu einem immer wichtigeren Moment der amerikanischen und westlichen Militärdoktrin wurde. Die United States Air Forces in Europe (USAFE) leisteten einen großen Beitrag zur Abschreckung der Sowjetunion und wurden aufgrund der geostrategischen Lage Europas zu einem zentralen Drehkreuz amerikanischer Militäroperationen in aller Welt. Auf dem Höhepunkt ihrer Stärke unterstanden 60 000 Luftwaffenangehörige den USAFE.
Obwohl es zu keiner direkten Konfrontation mit der Sowjetunion kam, kämpften amerikanische Soldaten in mehreren Stellvertreterkriegen zwischen den beiden Machtblöcken. Während der drei Jahre dauernde Koreakrieg, in dessen Folge ein bedeutender Anteil der US-Streitkräfte in Südkorea stationiert wurden, mangels eines erfolgreichen Abschlusses fast in kollektive Vergessenheit geriet, verursachte der letztendlich verlorene Vietnamkrieg weitreichende militärische und soziale Veränderungen. Einschneidendstes Beispiel war die Aussetzung der Wehrpflicht im Jahr 1973. Für knapp zwei Jahrzehnte verhinderte das Trauma des Krieges in Südostasien größere Operationen des US-Militärs.
In den 1980er Jahren kämpften amerikanische Truppen in den Operationen Just Cause in Panama und Urgent Fury auf Grenada. In Libanon begründete der Tod von 239 Marines und der darauffolgende Abzug ausländischer Truppen den Beginn des dortigen Bürgerkriegs. Der Goldwater-Nichols Act von 1986 reorganisierte das Militär und beendete erfolgreich die ausufernden Rivalitäten zwischen den Streitkräften. Nach dem Zerfall der Sowjetunion setzten Kürzungen, Rationalisierungen und Standortschließungen ein. Dennoch bestritt das US-Militär Einsätze. Die Befreiung Kuwaits im Verbund mit knapp 30 anderen Ländern, die innerhalb von vier Tagen zur völligen Zerschlagung der Streitkräfte des Irak bei minimalen Verlusten der Koalition führte, demonstrierte die militärische Vormachtstellung der Vereinigten Staaten. Der Einsatz in Somalia experimentierte mit der Nutzung von Militäreinheiten zur Stabilisierung schwacher bzw. zur Errichtung handlungsfähiger Nationalstaaten. Er endete jedoch mit der Niederlage in der Schlacht von Mogadischu, die das US-Militär mit den Taktiken von Guerilleros konfrontierte. Daneben intervenierte das US-Militär in mehreren kleineren Einsätzen wie im Kosovo und in Haiti.
Die Terroranschläge vom 11. September 2001 gaben eine strategische Neuorientierung vor, die sich z. B. in der Transformation der US Army und der Kündigung des Comanche-Programms niederschlugen. Das Verteidigungsbudget stieg auf ein nach dem Kalten Krieg bisher ungekanntes Niveau. Noch im Jahre 2001 marschierten die Vereinigten Staaten in Afghanistan ein und im März 2003 in den Irak. Während die Feldzüge militärisch erfolgreich verliefen, erweist sich die Befriedung der Einsatzgebiete als schwierig.
[Bearbeiten] Kriegsopfer
[Bearbeiten] Gefallene
In absoluten Zahlen waren der Zweite Weltkrieg, der Sezessionskrieg, der Erste Weltkrieg, und der Vietnamkrieg die verlustreichsten Kriege der Vereinigten Staaten (in absteigender Reihenfolge). In diesen Kriegen fielen durch direkte Feindeinwirkung 292.131, 184.594 (beide Bürgerkriegsparteien zusammengenommen), 53.513 respektive 47.369 Soldaten. Die Reihenfolge bleibt bestehen, wenn die „anderen“ Todesursachen wie Seuchen, Verwundungen mit Todesfolge oder friendly fire hinzugerechnet werden.[13]
Die stärkste Todesrate in relativen Zahlen verzeichneten die Vereinigten Staaten im Sezessionskrieg. Kein anderer Krieg war für die Streitkräfte beider Seiten so verheerend wie dieser. 4,8 % aller Soldaten auf beiden Seiten fielen während der Kampfhandlungen, eine Rate, die nie wieder erreicht wurde. Dabei fielen mit 7 % bei der Armee der Südstaaten fast eineinhalbmal mehr Soldaten als bei der Union.[13]
Von ähnlicher Härte geprägt, gemessen an der Gefallenenquote, waren der Unabhängigkeitskrieg und der Krieg gegen Mexiko, bei denen mit 4.435 respektive 1.733 Soldaten jeweils 2,2 % der Truppe im Gefecht getötet wurden. Allerdings reichte ihre Intensität nicht an die des Zweiten Weltkrieges heran, in dem durchschnittlich 6.700 Mann pro Monat und insgesamt 1,8 % der Truppe fielen.[13]
[Bearbeiten] Verwundete
Bei den Verwundeten der Kriege mit amerikanischer Beteiligung seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts ist prozentual ein Rückgang zu verzeichnen. Im Amerikanisch-Mexikanischem Krieg und im Sezessionskrieg fiel ein Viertel, bei den Südstaaten fast ein Drittel der Truppe wegen Verwundungen aus.[13]. Alle anderen großen Kriege einschließlich des Zweiten Weltkrieges verursachten Verwundungsquoten zwischen 5 % und 7 %. Danach verringerte sich in Korea und Vietnam die Quote auf 2,4 %.
Nach dem Vietnamkrieg fiel die Verwundungsquote auf bisher unbekannte Werte. Diese Tendenz lässt sich mit der allgemeinen medizintechnischen Entwicklungen und dem bewusst erhöhten Aufwand der US-Streitkräfte hinsichtlich der Truppenfürsorge erklären, die wiederum in der Professionalisierung des Militärs begründet liegt.
Das Risiko eines amerikanischen Soldaten, im Kampf getötet zu werden oder an im Kampf zugezogenen Verletzungen zu sterben, ist in der Besetzung des Irak geringer als je zuvor, obwohl eine medizinische Evakuierung durch das meist urbane Kampfgebiet erschwert wird. Dies liegt vor allem an der Erfindung sogenannter Forward Surgical Teams.[14][15] Dies sind mobile und gut ausgerüstete Ärzteteams in Alarmbereitschaft, die eine vollwertige medizinische Versorgung bis zu einer stationären Unterbringung des Verwundeten gewährleisten können. Durch diese Behandlungsteams, die auch vor Ort operieren, konnte die Wahrscheinlichkeit, eine Verwundung zu überleben, von 75 % im Vietnamkrieg auf 90 % zum Jahresende 2004 angehoben werden.[16]
[Bearbeiten] Vermisste
Seit 1945 gelten ungefähr 88.800 amerikanische Soldaten auf der ganzen Welt als vermisst[17], davon knapp 78.000 allein im Zweiten Weltkrieg.[18] Mit der zunehmenden Verkleinerung und Professionalisierung der Streitkräfte, einhergehend mit einem ständigen steigenden Aufwand, den Verbleib sogenannter MIAs (Missing in Action) zu klären, sanken diese Zahlen für die Konflikte nach dem Zweiten Weltkrieg auf jeweils wenige Tausende: für den Koreakrieg auf 4.245[19]und für den Vietnamkrieg auf 2.338.[20] Im Golfkrieg 1991 waren es 52, von denen vor allem der Fall Michael Speichers bekannt wurde.[21][22] Die Suche nach vermissten Soldaten aller Teilstreitkräfte ist Aufgabe des Joint POW/MIA Accounting Command, einer Arbeitsgruppe des Verteidigungsministeriums.
[Bearbeiten] Kriegsverbrechen
Soldaten der Vereinigten Staaten haben in mehreren bewaffneten Auseinandersetzungen Kriegsverbrechen begangen, die durch die zunehmende mediale Behandlung des Krieges sowie gegen den verkündeten Anspruch der US-Streitkräfte, möglichst „saubere“ Kriege zu führen, öffentlich wurden. In dieser Hinsicht stach der Vietnamkrieg mit dem Massaker von My Lai heraus. Den massiven Einsatz von Napalm symbolisierte das Bild des mit Verbrennungen übersäten Mädchen Phan Thị Kim Phúc welches zur völkerrechtlichen Ächtung des Kampfstoffes im Jahre 1980 beitrug, der sich die Vereinigten Staaten nicht anschlossen. Aus dem Koreakrieg wurde das Massaker von Nogeun-ri bekannt. Auch während des Irak-Krieges bzw. während der Besetzung des Irak wurden immer stärkere Vorwürfe gegen US-Soldaten laut. Von den bestätigten Vorfällen erlangten der Abu-Ghuraib-Folterskandal sowie das Massaker von Haditha traurige Berühmtheit. Die Rolle der Streitkräfte in den Indianerkriegen ist demgegenüber nicht so weit aufgearbeitet, obwohl Ereignisse wie z. B. das Massaker bei Wounded Knee grundsätzlich vollständig dokumentiert sind.
[Bearbeiten] Kriegskosten
Eine Bestimmung der Kosten, die die Kriegsführung für die Vereinigten Staaten außerhalb des gewöhnlichen Verteidigungsbudgets verursacht hat, gestaltet sich aufgrund vielfach verlorengegangener Dokumente, veränderten Buchhaltungsmechanismen und der oft nicht zu rekonstruierenden Inflation als schwierig und kann daher nicht allgemein zuverlässig angegangen werden. Dennoch stellt ein Kongressbericht[23] aus dem Jahre 2008 fest, dass der Zweite Weltkrieg inflationsbereinigt 4,1 Billionen US-Dollar (Dollar-Stand vom 30. Juni 2008) gekostet hat, und das damalige Bruttonationaleinkommen der USA mit 37,5 % belastete. Die nächstgrößeren fiskalischen Belastungen für die USA waren vor dem 21. Jahrhundert der Vietnamkrieg, der 686 Milliarden Dollar und 1968 9,5 % des Bruttonationaleinkommens verschlang, sowie der Koreakrieg, dessen Finanzierung sich auf 320 Milliarden Dollar belief und 1952 14,1 % des BNE beanspruchte. Die weltweiten Kriegsführungs- und Sicherungsmaßnahmen der Vereinigten Staaten seit 2001 haben bis zum Fiskaljahr 2008 demgegenüber 859 Milliarden Dollar gekostet, fallen aber im Jahr 2008 mit insgesamt 4,2 % verhältnismäßig gering ins Gewicht.
[Bearbeiten] Auftrag
[Bearbeiten] Juristische Auftragsdefinition
Der Auftrag der Streitkräfte der Vereinigten Staaten ist der Schutz der Verfassung der Vereinigten Staaten, deren zentrale Werte republikanisch-demokratische Prinzipien sind. Abgegrenzt wird der Inhalt dieses Schutzauftrags über die Verfassung hinaus durch die War Powers Resolution, ein Bundesgesetz. Im politischen System der Vereinigten Staaten, in dem sich v. a. die Exekutivlastigkeit der Verfassung ausdrückt, sind zahlreiche Institutionen verankert, die den Präsidenten bei der Ausübung des Oberbefehls beraten.
[Bearbeiten] Verfassungsrechtliche Grundlage
Laut Artikel II, Abschnitt 2, Absatz I, Satz 1 der Verfassung ist der Präsident „[…] Oberbefehlshaber der Armee und der Flotte der Vereinigten Staaten und der Miliz der Einzelstaaten, wenn diese zur aktiven Dienstleistung für die Vereinigten Staaten auf gerufen wird[…]“.[24] „Das Recht, [anderen Nationen] den Krieg zu erklären“, hat gemäß Artikel I, Abschnitt 8, Satz 11 jedoch nur der Kongress, der einen Krieg mit einer Zweidrittelmehrheit beider Häuser absegnen muss. Diesem Satz folgen Bestimmungen, die seine Finanzhoheit gerade in militärischen Fragen verdeutlichen: Ihnen zufolge bestimmt der Kongress allein darüber, „Armeen aufzustellen und zu unterhalten; die Bewilligung von Geldmitteln hierfür soll jedoch nicht für länger als auf zwei Jahre erteilt werden;“ (Satz 12) „eine Flotte zu bauen und zu unterhalten;“ (Satz 13), „Reglements für Führung und Dienst der Land- und Seestreitkräfte zu erlassen;“ (Satz 14).
Obwohl die Philadelphia Convention die Verfassung der Vereinigten Staaten im Geiste einer friedlichen Entwicklung des Menschen entwickelte, ist das Militär der Vereinigten Staaten nicht per Definition dem internationalen Frieden und weltweiter Stabilität verpflichtet.
[Bearbeiten] Bundesgesetz
Die Verfassung ist nach den Gewohnheiten des Common Law, der angelsächsischen Rechtstradition, allgemein gehalten, sodass in der Vergangenheit Bundesgesetze die Verantwortung für die Landesverteidigung ausdifferenzierten. Gerade nach dem Koreakrieg gingen Präsidenten dazu über, Einsätze der Streitkräfte als Polizeiaktionen zu deklarieren, was die unbedingte Kriegserklärungskompetenz der Legislative aushöhlte. Daher beschloss der Kongress 1973 durch Überstimmung des Vetos des damaligen Präsidenten Nixon die War Powers Resolution. Sie legte fest, dass der Präsident den Kongress binnen 48 Stunden über die Aufnahme jeglicher kriegerischer Handlungen zu informieren hat. Der Einsatz muss nach 60 Tagen beendet sein, bevor der Präsident eine Verlängerung um weitere 30 Tage beantragen muss. Diese kann der Kongress in dringenden Ausnahmefällen gewähren, bevor er zu einer formalen Kriegserklärung übergehen muss.
Die Aufträge der Teilstreitkräfte sind in Einzelgesetzen im 10. Buch des United States Code festgelegt.
Das Posse Comitatus-Gesetz schließt Einsätze des Militärs im Inland aus.
[Bearbeiten] Vereidigung
Alle Mitglieder der Streitkräfte werden auf die Verfassung vereidigt. Der Gelöbnistext für Offiziere, die ihr Patent erhalten haben, unterscheidet sich vom Eid aller anderen einberufenen Soldaten. Die heutige Fassung des Einberufungseides wurde am 5. Mai 1960 verabschiedet und lautet[25]:
„I, [Name der zu vereidigenden Person], do solemnly swear [alternativ: affirm] that I will support and defend the Constitution of the United States against all enemies, foreign and domestic; that I will bear true faith and allegiance to the same; and that I will obey the orders of the President of the United States and the orders of the officers appointed over me, according to regulations and the Uniform Code of Military Justice. So help me God.“
– Title 10, US Code
zu deutsch:
„Ich, [Name der zu vereidigenden Person], schwöre feierlich [alternativ: versichere], dass ich die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika gegen alle Feinde schützen und verteidigen werde, ob fremd oder heimisch; dass ich zu derselben wahre Treue und Loyalität bewahren werde; und dass ich den Befehlen des Präsidenten der Vereinigten Staaten sowie der über mir berufenen Offizieren gemäß dem Uniform Code of Military Justice [Anm.: englische Bezeichnung für das US-amerikanische Wehrrecht] Folge leisten werde, so wahr mir Gott helfe.“
– Zehntes Buch des Bundesrechts der Vereinigten Staaten
[Bearbeiten] Zivile Kontrolle
Durch die Aufteilung des Oberbefehls über die Streitkräfte einerseits sowie die Budgethoheit und das Kriegserklärungsrecht andererseits auf die Exekutive respektive Legislative konnte sich eine lang anhaltende Tradition der zivilen Kontrolle über die Armee etablieren. Eine verlässliche zivile Kontrolle setzte jedoch erst im 19. Jahrhundert ein; zuvor hatte es immer wieder Aufsässigkeiten seitens der Truppe der Politik gegenüber gegeben.
Eine dramatische Zuspitzung erlebte der Konflikt zwischen Militär und Politik am Ende des Revolutionskrieges während der sogenannten Newburgh-Verschwörung. Der Kontinentalkongress war am Ende des Krieges seit Monaten nicht mehr in der Lage gewesen, seine Armee zu bezahlen, sodass einige hochrangige Offiziere einen Putsch planten. In Newburgh sollte George Washington den Briten, die noch über gewisse Angriffskapazitäten verfügten, die Kapitulation abringen. Als Washington die Missstimmung seiner Untergebenen bemerkte, soll allein eine Ansprache – zusammen mit seinem abgekämpften Zustand, der von seinen Anstrengungen gezeugt haben soll – seine Untergebenen von ihrem Putsch abgebracht haben. Obwohl der Verlauf des Aufeinandertreffens bis heute nicht restlos geklärt ist, fügte sich der Mythos, der es zu umranken begann, zusammen mit dem später verfassten Vereidigungstext als verfassungspatriotisch-kulturelles Element in die zivile Kontrolle ein, als deren Begründer Washington gilt.
Nach mehreren kleineren Umsturzansätzen drohte der Republik dann wieder im Sezessionskrieg Gefahr, als breite Volksmassen angesichts der drohenden Unionsniederlage die strenge Kontrolle einer Militärdiktatur anriefen. Die Demokraten versuchten darüber hinaus 1863, den noch dienenden General Ulysses S. Grant als Präsidentschaftskandidaten aufzustellen. Der populäre Grant weigerte sich jedoch und wurde erst als Pensionär 1868 zum Präsidenten gewählt.[26] Diese prekären Konflikte führten neben einer tendentiellen Staatskritik bis zum Zweiten Weltkrieg immer zu einer Verkleinerung des Militärs nach Kriegseinsätzen.
Im 20. Jahrhundert verfestigte sich die Tradition der zivilen Kontrolle. Vor allem Kritiker aus dem liberalen bis linksgerichteten Spektrum weisen jedoch auf die zeitweilig vorherrschende Parteibindung höherer Offiziere an die Republikaner von bis zu 70 %[27] sowie die Warnung Dwight D. Eisenhowers auf das mögliche Erstarken eines militärisch-industriellen Komplexes hin.
[Bearbeiten] Verteidigungspolitische Institutionen und Gewohnheiten
Die überwiegend allgemeinen Bestimmungen der Verfassung in der Tradition des Common Law haben zur Folge, dass in ihr im Gegensatz zum deutschen Grundgesetz kein einziges Ministerium erwähnt ist. Bis auf die Beschränkung, dass völkerrechtliche Abkommen der Ratifizierung durch den Kongress bedürfen, ist der Präsident in der Gestaltung der Außenpolitik frei. Dennoch gilt der Verteidigungsminister als eines der wichtigsten Kabinettsmitglieder, welches bisher noch von keinem Präsidenten ausgelassen wurde.
Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich jedoch ein immer verzweigteres Netzwerk an Gremien herauskristallisiert, aus deren Sachkompetenz Präsident, Verteidigungsminister und hohe Offiziere schöpfen können. Die wichtigsten Einrichtungen, wie zum Beispiel der Nationale Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten entstanden überwiegend aufgrund der beiden großen Reformgesetze von 1947 oder 1986. Die politische Opposition versucht meist, über die Ausschüsse der Parlamentskammern Einfluss auf die Meinungsbildung in verteidigungspolitischen Fragen zu nehmen. Daneben hat sich in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten ein mit Militär, Politik, Medien, Firmen und Universitäten verknüpftes Netzwerk an Analysten und Denkfabriken herausgebildet, das fester Bestandteil der amerikanischen Politik geworden ist.
Tagespolitisch betrachtet leitet sich aus den beiden übergeordneten Gesetzestexten Verfassung und War Powers Resolution die wegweisende Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten ab, eine Doktrin an der Schnittstelle zwischen Militär und Politik. Ihre strategischen Anweisungen beziehen die Streitkräfte dann aus der ihr untergeordneten, rein militärischen Nationalen Verteidigungsstrategie. Deren Bedeutung ist daran messbar, dass jeder Präsident zu Beginn seiner Amtszeit eine aktualisierte Fassung ausarbeiten muss, die in der Öffentlichkeit unter seinem Namen bekannt wird, z. B. die sogenannte Bush-Doktrin. Die Schwerpunkte der aktuellen Nationalen Verteidigungsstrategie liegen zur Zeit auf dem Kampf gegen den globalen Terrorismus, die Sicherung nationaler Interessen sowie für die Vereinigten Staaten existenzieller Ressourcen.
Der Verteidigungsminister hat über die National Command Authority in seinem Ministerium Teil am Oberbefehl des Präsidenten.
[Bearbeiten] Militärdoktrin
Die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten ist allein aufgrund der Vielzahl an strategischen Veröffentlichungen eine der vielschichtigsten überhaupt. Gesetzlich vorgeschrieben ist der im Vierjahrestakt herausgegebene Quadrennial Defense Review (QDR, oft mit Jahreszahl angegeben), neben der wichtigsten strategischen Publikation stellt er einen Bericht an Öffentlichkeit und Parlament dar.
[Bearbeiten] Geostrategische Ausgangslage
In geographischer Hinsicht sind die Vereinigten Staaten von zwei Partnern, Kanada und Mexiko, sowie zwei Ozeanen umgeben. Diese in der Luft zu sichern und Störungen wie potentielle Angreifer oder Piraten zu bekämpfen, um den uneingeschränkten Zugang zu den Verbündeten in Europa, Ostasien (Japan und Südkorea) und Ozeanien (Australien und Neuseeland) zu sichern, ist für den Geltungsanspruch der Vereinigten Staaten von zentraler Bedeutung. Daraus ergeben sich die strategischen Prioritäten der Streitkräfte untereinander. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist daher die Luftüberlegenheit für jede militärische Intervention der Vereinigten Staaten entscheidend. Die US Navy operiert in Trägerverbänden, welche die Weltmeere überwachen. Das Marine Corps kann dadurch ungehindert intervenieren, sollte es nötig sein. Für längere Operationen am Boden kann dann die Army mobilisiert werden. Dieser kaskadenartige Aufbau militärischer Stärke an jedem Punkt der Erde soll zügiger als bei möglichen Gegnern ablaufen. Daher ist auch Geschwindigkeit ein entscheidendes Moment in diesem Prozess.
[Bearbeiten] Doktrin
[Bearbeiten] Geschichte
Der latente antieuropäische Affekt der Vereinigten Staaten hielt auch in der Militärdoktrin der Vereinigten Staaten Einzug und richtete sich gegen die Anwendung europäischer Taktiken, die sich auf amerikanischem Boden nur eingeschränkt entfalten konnten. Die Debatte über die zukünftige politische Organisation der Vereinigten Staaten, bei der sich die Föderalisten letztendlich gegen die Zentralisten durchsetzten, verhinderte über lange Zeit die Ausarbeitung einer eindeutigen militärischen Strategie, sodass viele Konzepte in Fluss blieben und ungenau waren.[28]
Im Bürgerkrieg mangelte es den Streitkräften beider Seiten durch ständige Reorganisation der Truppen an ausgefeilten Strategien. Feststehend war das Konzept der „Annihilation“, die von Ulysses Grant stammte, und einen Angriff mit zahlenmäßig und technologisch überlegenen Truppen vorsah. Darüber hinaus bot der Sezessionskrieg aufgrund seines chaotischen Verlaufs, der häufig Greueltaten und Disziplinlosigkeiten begünstigte, vielen Kommandeuren die Möglichkeit, ihre Führungsqualitäten zu entfalten. Demgegenüber verwertete die militärische Führung die Erkenntnisse des Bürgerkriegs.
Die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten stand angesichts des erwarteten Sieges im Zweiten Weltkrieg bereits vor dessen Ende zur Diskussion. Die Continental-Maritime Debate, also die Frage, ob der Kontrolle der Meere oder der Bereitstellung von Landstreitkräften größeres Gewicht beigemessen werden sollte, polarisierte die militärische Führungsschicht.
Grundsätzlich war „[d]ie amerikanische Idee der Kriegsführung […] nach dem Bürgerkrieg bis hin zum Vietnam-Krieg offensiv […]. Jeder Krieg, den die USA abseits des amerikanischen Kontinents führen konnten oder mussten, war idealerweise ein Angriffskrieg.“[28]
Die heutige Militärdoktrin gründet auf militärwissenschaftliche Überlegungen der Offiziere John Boyd (USMC, 1979) und Huba Wass de Czege (US Army, 1983). Wass de Czeges Schüler errangen später als hochrangige Kommandeure großen Einfluss. Allerdings verwarf Norman Schwarzkopf seine Ideen im Zweiten Golfkrieg noch, allen voran den weitläufigen Einsatz von Spezialeinheiten. Wass de Cezeges Ausarbeitungen gingen in Joint Vision 2020 auf.[29]
[Bearbeiten] Derzeitiger Stand
Die Militärdoktrin der Vereinigten Staaten ist von einem Transformationsprozess gekennzeichnet, den der damalige Generalstabschef John M. Shalikashvili im Jahre 1996 mit der Veröffentlichung des Strategiepapiers Joint Vision 2010 konzeptionellen Beginn einläutete. Den Anstoß zur Umsetzung der in Joint Vision 2010 enthaltenen Ideen lieferte das im Jahr 2000 veröffentlichte Strategiepaper Joint Vision 2020, welches eine „Überlegenheit auf breiter Front“ (engl.: Full-spectrum dominance) für die Streitkräfte einforderte. Dazu bedarf es vierer gleichzeitig gültiger operativen Einsatzkonzepte: „überlegene Beweglichkeit der Verbände, präzise und zeitkritische Bekämpfung von Zielen sowie umfassender Schutz der Truppen gegen Angriffe jeglicher Art.“[30] Die Terroranschläge des 11. September vergrößerten die politische und wirtschaftliche Investitionsbereitschaft in den Transformationsprozess, dessen strukturelle Änderungen bis 2008 abgeschlossen sein sollen. Die Transformation soll das US-Militär befähigen, weltweit in kürzester Zeit zu einem ernstzunehmenden Angriff bereit zu sein.
Angesichts der herausfordernden taktischen Situation im Irak gingen die Streitkräfte allerdings noch unter Donald Rumsfeld von der Machbarkeit einer Beteiligung an bis zu 4 Kriegseinsätzen ab und erklärten ihren Unwillen, in Zukunft Instrumente eines ideologisch motivierten Regierungswechsels (regime change) zu sein.[31] Unter Bill Clinton galt ebenfalls eine Doktrin der parallelen Kriegführung. Das Major-Theater-War-Konzept verlangte den Einsatz in zwei Kriegsgebieten, wobei die asymmetrische Kriegführung mangels verteidigungspolitischer Aktualität und Einsicht nicht berücksichtigt wurde.
Feststehende Ergebnisse der amerikanischen Transformation sind der Umbau des Heeres in eine mobile Interventionsstreitkraft sowie die Abkehr von der im Vergleich zentralistischen plattformorientierten Kriegführung des kurzen 20. Jahrhundert, die die Doktrin nach der Einsetzbarkeit Schlagkraft essentieller Waffensystemen ausrichtete. Im Gegensatz dazu sollen bei der nun eingeführten netzwerkorientierten Kriegführung, im englischen Original Network-Centric Warfare genannt, vielmehr Informationen anstatt Einheiten verschoben werden. Gleichzeitig findet eine Vernetzung aller beteiligten Einheiten, Befehlsstände und Kommandeure statt. Hierbei kommt das Metcalfesche Gesetz zum Tragen, sodass die Kriegskosten proportional zur Anzahl der Knotenpunkte, der Nutzen in Form von Geschwindigkeit hingegen exponentiell ansteigt.[32] Wegen der gleichzeitigen Verlagerung von Entscheidungskompetenzen, die der verstärkte Informationsfluss ermöglicht hat, orientiert sich NWC an der Befehlstaktik der Wehrmacht. Die der Auftragstaktik ähnelnde Maneuver Warfare der Marines wurde entsprechend erweitert und an NWC angepasst. Das Netzwerk, das die Streitkräfte untereinander kommunizieren lässt, wird Global Information Grid genannt.
Auch nach mehreren Jahren der Diskussion ist die Frage, an welcher Bedrohung sich das Militär orientieren soll, nicht geklärt. Diese Debatte zwischen zwei strategischen Denkschulen entbrannte nach den Terroranschlägen am 11. September 2001, mit deren Verübung das gerade erschienene erste QDR des Jahrtausends hinfällig wurde. Eine Denkschule befürwortete die endgültige Abkehr von schweren Waffen und massiven Verbänden, um den von der Bush-Regierung ausgerufenen Kampf gegen den Terror auch militärisch führen zu können, während ihre Kontrahenten das militärische Erstarken der Volksrepublik China anmahnten. Beide Seiten werfen einander die Missachtung der tatsächlichen Bedrohung vor.[33]
Die endgültige Festlegung ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil von ihr fundamentale Entscheidungen über Ausbildung, Taktiken und die kostenintensive Beschaffung von neuer Ausrüstung für mehrere Jahrzehnte ausgehen. Die Kosten sind ein ähnlicher Streitpunkt wie die Ausrichtung: während konservative Sicherheitspolitiker Robert Kagan zur Finanzierung eines Truppenausbaus eine deckende Erhöhung des Verteidigungshaushaltes fordern, verlangen Kritiker wie Lawrence Korb einer solchen bewussten Belastung der US-amerikanischen Volkswirtschaft eine intensive Prüfung derzeitiger Pläne und Anschaffungen, um Kapazitäten für einen von beiden Seiten für unumgänglich gehaltenen Ausbau der Kontingente im Einsatzgebiet zu schaffen.[34]
Die Transformation der Luftstreitkräfte und der Marine ist nicht so umfangreich angelegt wie die der beiden zu Lande kämpfenden Teilstreitkräfte, finden jedoch im Fleet Response Plan und in der Air Force Transformation vollwertige Konzepte.
Im Oktober 2007 stellten die Stabschefs der Marine, der Marineinfanterie und der Küstenwache eine Verbundstrategie namens A Cooperative Strategy for 21st Century Seapower vor.[35] Die Kernaspekte des Konzepts wurden in den Schlagworten Security, Prosperity, Seapower („Sicherheit, Gedeihen, Stärke zu See“) zusammengefasst.[36]
[Bearbeiten] Gliederung
[Bearbeiten] Teilstreitkräfte
Die Vereinigten Staaten verfügen über fünf Teilstreitkräfte, in ihrer Gesamtheit Armed Forces genannt. Drei von ihnen, nämlich die Luftstreitkräfte, das Heer und die Marine, verfügen über ein eigenes Ressort im Pentagon, dem Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten. Die Marineinfanterie untersteht aufgrund ihrer besonderen Abhängigkeit von der US Navy ebenfalls dem Department of the Navy (DoN). Die Küstenwache untersteht aufgrund ihrer überwiegend nichtmilitärischen Aufgabenstellung in Friedenszeiten dem zivilen Heimatschutzministerium, auch wenn sie per Gesetz als Teilstreitkraft gilt. Im Falle einer Kriegserklärung oder eines Präsidentenerlasses wird sie dem Department of the Navy des Pentagon unterstellt, bis der Präsident ihr diese Oberaufsicht wieder entzieht. Trotz der Funktionsweise als Streitkraft insgesamt sind die amerikanischen Teilstreitkräfte ungewöhnlich autark. In ihren Strukturen ähneln sich die einzelnen Teilstreitkräfte sehr, was die Kompatibilität untereinander erhöht.
[Bearbeiten] Heer
Das Heer der Vereinigten Staaten ist die United States Army. Sie hat eine Mannstärke von ca. 522.000.[1] Charakteristisch für die Army sind die rein rechnerisch vollständige Durchmotorisierung, die Betonung von Kommandomissionen und Spezialeinheiten sowie das Gefecht der verbundenen Waffen bereits innerhalb der Streitkraft. Die Heeresfliegerei besteht nur aus Hubschraubern. Durch ihre Wurzeln in der Amerikanischen Revolution ist sie die älteste der nationalen Teilstreitkräfte.
[Bearbeiten] Luftstreitkräfte
Die United States Air Force (USAF) ist mit rund 331.000 Soldaten[1] und rund 14.100 Fluggeräten[37] die stärkste Luftstreitkraft der Welt und strategisches Kernstück der US-Streitkräfte. Sowohl offensive als auch defensive Großoperationen gehen meist von der Air Force aus. Ihr Anteil am gesamten Verteidigungsbudget ist mit ca. 30 % der größte. Auch die Weltallstrategie wurde ihr übertragen. Die Geschichte der militärischen Luftfahrt begann in den Vereinigten Staaten im Jahre 1907. Erst 1947 wurde die Air Force eine eigenständige, den anderen gleichgestellte Teilstreitkraft und entwickelte im Laufe des Kalten Krieges ihre herausragende Rolle.
[Bearbeiten] Marine
Die Marine der Vereinigten Staaten, die United States Navy (USN), verfügt über 335.000 Mann[1] und ist damit zahlenmäßig die größte Kriegsmarine der Welt. Sie umfasst darüber hinaus 300 Schiffe und 4.000 Fluggeräte in fünf Flotten. Aufgrund der geographischen Lage der Vereinigten Staaten, die von zwei Ozeanen umgeben sind, ergibt sich für die zweitälteste Streitmacht eine besondere strategische Bedeutung. Große Anerkennung wurde ihr während des Zweiten Weltkrieges zuteil und Präsident Ronald Reagan wollte sie in den 1980ern auf über 600 Schiffe vergrößern.
[Bearbeiten] Marineinfanterie
Militärisches, mediales und populärkulturelles Aushängeschild der Vereinigten Staaten ist die Marineinfanterie, das United States Marine Corps (USMC). Ihre 186.000 Soldaten sind in Expeditionsstreitkräfte, sogenannte Marine Expeditionary Forces, eingeteilt und kommen in der Offensive oft als erste zum Einsatz. Die Marines sind von der Navy abhängig, verfügen aber im Gegensatz zu den anderen Teilstreitkräften über fast alle Waffengattungen. Bereits ihre Gründung in dem Gasthaus Tun Tavern in Philadelphia war ungewöhnlich und wurde Teil ihres Ethos, ihre Bedeutung wuchs vor allem durch den Pazifik- und Koreakrieg.
[Bearbeiten] Küstenwache
Die United States Coast Guard ist die Küstenwache der Vereinigten Staaten. Sie untersteht in Friedenszeiten nicht dem Verteidigungsministerium, sondern dem Ministerium für Heimatschutz. Ihre 38.000 Mann sind mit den Aufgaben Küstenschutz, Katastrophenschutz, Kriminalitätsbekämpfung zur See sowie Umweltschutz betraut. Sie arbeitet eng mit den Teilstreitkräften zusammen und verfügt über begrenzte militärische Kapazitäten und entstand 1915 aus verschiedenen küstenschützenden Behörden. Durch die Furcht vor Terroranschlägen und die Nähe der Vereinigten Staaten zu südamerikanischen Drogenanbaugebieten ist die Belastung der Küstenwache in den letzten Jahren stetig gestiegen.
[Bearbeiten] Unterstützungseinheiten
Ein Großteil des US-Militärs ist mit Aufgaben betraut, die nicht oder ausschließlich indirekt zur Beeinflussung des Kampfgeschehens beitragen. Insofern ist eine breite Streitkräftebasis vorhanden, die aber nicht im Sinne des Begriffs bei der deutschen Bundeswehr in einer einzigen Behörde institutionalisiert und von dieser verkörpert wird.
Auch ein zentraler Sanitätsdienst wie bei der Bundeswehr existiert nicht. Die medizinische Versorgung obliegt den Streitkräften, wobei das Marine Corps und die Küstenwache hier wie bei anderen Angelegenheiten Zugang zu den Einrichtungen der Navy haben. Die Oberaufsicht über die Sanitätsdienste der Streitkräfte der Vereinigten Staaten haben die Surgeons General (zu dt. ungefähr: „Generalchirurg“ oder „Generalschiffsarzt“), deren Rang jeweils der eines Drei-Sterne-Generals ist.[38]
Um mögliche feindliche Verbände zu simulieren, werden bestimmte Einheiten zu Opposing Forces ernannt.
[Bearbeiten] Informationsbeschaffung
Viele Regierungsbehörden der Vereinigten Staaten arbeiten mit den Streitkräften zusammen oder sind Teil von ihnen.
Alle Streitkräfte verfügen über einen eigenen Geheimdienst. Beim Heer ist dies die United States Army Intelligence, bei der Marine das Office of Naval Intelligence. Die Luftstreitkräfte verfügen über die Air Intelligence Agency, das Marine Corps über die Marine Corps Intelligence Activity und die Küstenwache über die Coast Guard Intelligence. Ihnen übergeordnet ist die Defense Intelligence Agency, bei der das gesammelte Nachrichtenmaterial zentral verarbeitet und aufbereitet wird, um von den militärischen Entscheidungsträgern genutzt zu werden. Die ehemals federführende Funktion des Auslandsgeheimdienstes Central Intelligence Agency wurde an den Director of National Intelligence abgegeben, der sämtliches Nachrichtenmaterial aller US-Nachrichtendienste, der United States Intelligence Community, zentral beizieht und den politischen Entscheidungsträgern vorträgt. Der vormals nicht selten vorkommenden Parallelarbeit und immer wieder auftretenden Kompetenzstreitigkeiten einzelner Geheimdienste der Vereinigten Staaten sollte so Abhilfe geschaffen werden.
Um den Anspruch der geltenden Militärdoktrin auf ein möglichst großes Informationsangebot erfüllen zu können, unterhält das Verteidigungsministerium eine gewisse Anzahl von Nachrichtendiensten, die sich einzelnen Aspekten der Informationsbeschaffung widmen. Dabei bedienen sie sich sowohl offen zugänglicher als auch geheim beschaffter Informationen. Die National Geospatial-Intelligence Agency ist im Bereich der geographischen Aufklärung tätig. Das National Reconnaissance Office ist für sämtliche Aspekte der weltraumgestützten Informationsbeschaffung zuständig und Betreiber der US-Spionagesatelliten.
Der bekannteste militärische und gleichzeitig der größte Nachrichtendienst der Vereinigten Staaten überhaupt ist die National Security Agency, die zwar administrativ und technisch dem Verteidigungsministerium unterstellt ist, operativ aber direkt dem National Security Advisor. Sie fokussiert sich auf die weltweite Überwachung von Telekommunikation. Täglich wertet die Behörde zehntausende von E-Mails, Telefonaten und anderen Übermittlungen in Bezug auf die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten aus. Sie unterhält selbst mehrere Unterbehörden.
[Bearbeiten] Fürsorge
Traditionell nimmt die Truppenfürsorge einen hohen Stellenwert ein. Dies beruht auf der Überzeugung, dass eine gute Versorgung die Motivation der Soldaten stärkt. Zur Unterhaltung der weltweit stationierten Soldaten (s. u.) betreibt das Department of Defense eine eigene Unterbehörde, Armed Forces Entertainment (AFE) genannt. Diese veranstaltet Vorführungen aller Art und arbeitet mittlerweile mit den United Service Organizations, einer Freiwilligenorganisation zusammen, die sich ebenfalls für die Stärkung der Moral amerikanischer Soldaten im Ausland einsetzt.
Mit American Forces Network wird ein Medienzusammenschluss bezeichnet, der Soldaten im Ausland primär mit Nachrichten versorgen soll. Durch die jahrzehntelange Verankerung an ihren Standorten hat sich das Angebot mittlerweile zu einer vielfältigen Informations- und Unterhaltungsplattform ausgeweitet.
Handelskette der US-Streitkräfte, ebenfalls weltweit präsent, ist der Army & Air Force Exchange Service. Sie beliefern die PX Stores, die in vielen Stationierungsländern über die Grenzen der Militärbasen hinaus bekannt sind, auch wenn nur Militärangehörige und deren Familien dort einkaufen dürfen. Die PX Stores sollen den amerikanischen Militärangehörigen und ihren Familien von der Produktpalette her weltweit den gleichen Versorgungstandard bieten, wie CONUS. Gleichzeitig sind die angebotenen Produkte in der Regel steuerfrei, was neben der heimischen Produktauswahl einen besonderen Kaufanreiz bietet. Ursache für diese Befreiung ist der Umstand, dass der AAFES keine Erträge erwirtschaften darf, da er vom Militärbudget der Vereinigten Staaten, also von Steuergeldern, mitfinanziert wird. Das Konzept des PX Stores wurde von mehreren anderen global aktiven Militärs übernommen, z. B. von den Streitkräften des Vereinigten Königreichs oder der Bundeswehr.
[Bearbeiten] Stärke
[Bearbeiten] Kampfkraft und deren Entfaltung
Das Militär der Vereinigten Staaten ist einzigartig hinsichtlich der konventionellen Kampfkraft, die es weltweit in einer sehr hohen Geschwindigkeit aufbauen und wenn notwendig, langfristig aufrechterhalten kann. Auch wenn es Partnern innerhalb der NATO, sowie den Streitkräften Russlands, Chinas und Indiens möglich ist, militärische Übersee-Expeditionen zu unternehmen, so sind die Vereinigten Staaten als einzige Nation in der Lage, kurzfristig einen größeren regionalen Krieg außerhalb ihres Heimatterritoriums auf einem anderen Kontinent zu führen. Entsprechend wird daraus ein doktrinaler Anspruch abgeleitet. Die Vereinigten Staaten sind darüber hinaus eine der wenigen Nationen, die eine gewisse Anzahl an Atomwaffen unterhalten. Als einziges Land sind sie zu einem offensiven Einsatz dieser Waffen bereit, v. a. zu einem sogenannten „atomaren Erstschlag“.
Um weltweit einsetzbar zu sein, investieren die Vereinigten Staaten einen beträchtlichen Teil ihres Militärbudgets in logistische Kapazitäten. Dadurch ist die bedarfsgerechte Entfaltung der Kampfkraft garantiert. Die US Air Force unterhält eine große Flotte von C-5-Galaxy-, C-17-Globemaster-III- und C-130-Hercules-Transportflugzeugen. Das US Marine Corps verfügt über sieben sogenannte Marine Expeditionary Units (MEU) zur See. Diese Marineexpeditionseinheiten, die jeweils etwa 2.200 Mann stark sind, werden transportiert von den Atlantik- und Pazifikflotten der US Navy im Rahmen der Fleet Marine Force, einem verbundenen Kommando der beiden Teilstreitkräfte. Die Flotte der Vereinigten Staaten verfügt über elf Flugzeugträger und entsprechende Trägerkampfgruppen.
Die US Army ist nicht so mobil wie das US Marine Corps. Im Hinblick auf die zu erwartenden Aufgaben der Army im 21. Jahrhundert hat der ehemalige Stabschef der US Army, General Schoomaker eine Umstrukturierung angekündigt von gegenwärtig 37 auf 48 Brigaden mit einer stärkeren Betonung der Möglichkeit, die Kampfkraft zu konzentrieren und umzulenken. Dennoch bleiben die Aufgaben von Army und Marine Corps zum Teil höchst unterschiedlich.
Die weltweit mobilisierbaren Kräfte sind die Basis für die historisch bisher einmalige militärische Machtfülle. Der linksliberale Publizist Gregg Easterbrook, dessen Schriften regelmäßig in mehreren Tageszeitungen und landesweiten Zeitschriften erscheinen, umschreibt das folgendermaßen[39]:
„Das amerikanische Militär ist zur Zeit das stärkste, das die Welt je gekannt hat, sowohl in absoluten wie in relativen Maßstäben; [es ist] stärker als die Wehrmacht im Jahre 1940, und stärker als die Legion auf dem Höhepunkt römischer Macht.“
Die heutzutage übliche asymmetrische Kriegsführung – die neue Antithese der konventionellen Kriegsführung – erschwert die Bedingungen nicht nur für die US-Streitkräfte, sondern für die Militärkräfte aller Staaten.
Allerdings hat das US-Militär aufgrund zahlreicher praktischer Einsätze (z. B. in Panama, in Afghanistan und während der Besetzung des Irak) im Vergleich zu allen anderen konventionellen Streitkräften die bisher umfangreichsten Erfahrungen mit dieser Kriegsform gesammelt. Die bisher wichtigsten verteidigungspolitischen Konsequenzen, die die Vereinigten Staaten daraus gezogen haben, sind die Rückkehr zur Präsenz am Boden (s. u.), der Wettstreit mit der Guerillabewegung um deren politische Legitimation in der Bevölkerung („Winning Hearts and Minds“) und ein verstärkter Einsatz von Spezialeinheiten als De-facto-Teilstreitkraft.
[Bearbeiten] Truppenstärke
Um der Überdehnung des Militärs entgegenzuwirken, hat Verteidigungsminister Robert Gates George W. Bush einen Vorschlag zur Vergrößerung der Streitkräfte um 92.000 Mann auf knapp 1,45 Millionen Soldaten unterbreitet. Von dieser Anzahl sollen 65.000 auf die Army, der Rest auf das Marine Corps entfallen. Die Erweiterung soll bis 2012 anhalten und kehrt den letzten Truppenabbau von Donald Rumsfeld aus dem Jahr 2001 (vor den Anschlägen des 11. September) um, der knapp 40.000 Stellen abbaute.[40] Gates gab damit der immer stärker werdenden Kritik an der Politik seines Vorgängers Recht. Diese bestritt v. a. Rumsfelds Vertrauen in Technik als alleiniges Mittel zum alleinigen Kriegs- und Besatzungsabschluss.[41]
Die Überdehnung der Streitkräfte hat ebenfalls die erste Truppenverstärkung seit dem Kalten Krieg zur Folge. Seit dem Vietnamkrieg war die Anzahl der aktiven Soldaten rückläufig. Befanden sich 1970 unter Richard Nixon 3.064.760 Soldaten im Dienst, so waren es zehn Jahre später unter Jimmy Carter 2.050.627. Diese Zahl blieb bis zum Ende des Ost-West-Konflikts stabil, danach setzte jedoch eine starke Rationalisierung ein, die sich bis zu den Anschlägen des 11. September 2001 hielt.[42] Der Truppenabbau unter Nixon war so massiv gewesen, dass Carter wieder aufstockte.[43]
